Path:
Periodical volume Nr. 73, 19. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

4

73

wie von sowjetischer Seite der Güterverkehr und damit die Versorgung
B e r l i n s g e s i c h e r t werden soll. Diese Maßnahmen können nur durch die
Ruhe der Bevölkerung unterstützt werden.
Wie b e r e i t s heute m o r g e n im Rundfunk bekanntgegeben, hat die A b teilung für Ernährung b e i m Magistrat eine Warnung an die Großhändler
und Kleinverteiler herausgegeben, daß bei F e s t s t e l l u n g von Warenzurückhaltungen die schärfsten Maßnahmen gegen die Händler ergriffen werden.
Eine gleichlautende P r e s s e m e l d u n g wurde an alle B e r l i n e r Zeitungen g e geben, und die B e z i r k s ä m t e r wurden angewiesen, in den nächsten Tagen
den gesamten Prüfungsdienst in Verbindung mit dem Prüfungsdienst der
Abteilung für Ernährung zur ausschließlichen Überwachung der ordnungsmäßigen Verteilung der vorhandenen Waren einzusetzen. Soweit dies notwendig sein wird, werden wir aber auch durch polizeiliche Maßnahmen
u n s e r e m Willen Nachdruck verleihen. E s ist außerdem V o r s o r g e getroffen,
daß der B e r l i n e r Verkehr in jeder Weise aufrechterhalten bleibt.
E s ist selbstverständlich, daß alles geschehen muß und wird, u m
eine Überflutung B e r l i n s mit Zahlungsmitteln, die i m Westen Deutschlands
ungültig geworden sind, zu verhindern. Die B e r l i n e r Polizeiorgane haben
Anweisung erhalten, mit sofortiger Wirkung im erforderlichen Rahmen
Kontrollen zur Verhinderung des Hereinbringens übermäßiger Banknotenmengen einzurichten.
Der B e r l i n e r Bevölkerung möchte ich sagen, daß alle nach dem 20.
Juni 1948 auf bestehende oder n e u e r r i c h t e t e Bank-, S p a r - , P o s t s p a r - und
Postscheckkonten eingezahlten Beträge bei der in Kürze zu erwartenden
Geldreform in Berlin nur berücksichtigt werden, wenn die Gewähr besteht,
daß sie nicht auf gesetzwidrige Weise erworben oder aus anderen Zonen
als Fluchtgeld nach Berlin v e r b r a c h t worden sind.
Desgleichen warnen wir davor, P o r t o , V e r s i c h e r u n g s m a r k e n oder
ähnliche Werte in großem Umfange zu kaufen und zu horten, da s e l b s t v e r ständlich bei Inkrafttreten einer W ä h r u n g s r e f o r m die jeweils fälligen Mauken auch nur in der jeweils gültigen Währung Wert haben werden.
Meine Feststellung, daß der Geld- und Zahlungsverkehr-in G r o ß - B e r lin sich bis zum Inkrafttreten einer neuen Währungsreform nach den alten .
Grundsätzen regelt, steht d i e s e r Tatsache in keiner Weise entgegen.
Deshalb ist auch jeder Gläubiger verpflichtet, Rückzahlungen zum
festgesetzten T e r m i n in den an d i e s e m T e r m i n geltenden Zahlungsmitteln
anzunehmen. J e d e r A r b e i t e r und Angestellte und jeder Gläubiger ist b e rechtigt, Zahlungen vor der Fälligkeit abzulehnen.
U n s e r e besondere Sorge aber gilt den Hilfsbedürftigen und Notleidenden. Mit allen Mitteln wird daher der Magistrat die sozialen I n t e r e s s e n der
B e r l i n e r Bürger s i c h e r n . Dies i s t in e r s t e r Linie auch der F a l l in der F ü r sorge für u n s e r e Alten, Arbeitsunfähigen und A r b e i t s l o s e n . Ebenso wird
a l l e s geschehen, u m den H e i m k e h r e r n wie b i s h e r zu helfen.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.