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Periodical volume Nr. 95, 16. Dezember 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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dazu gewillt sind, eine demokratische Basis einzuräumen.
Seit zwei J a h r e n ist diese demokratische Möglichkeit einer A u s einandersetzung unter Deutschen in der Ostzone nicht m e h r gegeben.
Aus Zeitmangel ist es m i r nicht möglich, auf Einzelheiten noch einmal
einzugehen. Ich halte es aber für notwendig, in der gegenwärtigen Situation eine neue Gefahr aufzuzeigen, die nachhaltig dazu beiträgt, die Gefahren für die deutsche Einheit auf den B e r l i n e r Boden zu ü b e r t r a g e n
und noch zu ü b e r s t e i g e r n . Als die amerikanische Militärbehörde und auch
die französische Militärbehörde das Volksbegehren für ihre B e r l i n e r
Sektoren verboten - was wir nicht verstanden und nicht gebilligt haben -,
da begann eine Tätigkeit der SED gegen die angeblichen Unterdrückungsmaßnahmen der A m e r i k a n e r und F r a n z o s e n in Berlin, die in der F o r m
und im Inhalt alles übersteigt, was man an Angriffen gegen B e s a t z u n g s mächte in Deutschland bisher erlebt hat. Das veranlaßt uns, aus u n s e r e r
geduldigen R e s e r v e herauszugehen. Wir haben in Berlin im Osten Unterdrückung smaßnahmen gegen die Sozialdemokratische P a r t e i in den letzten
zwei J a h r e n im großen Ausmaß geduldig getragen und versucht, uns mit
der zuständigen Besatzungsmacht in persönlichen Verhandlungen a u s e i n anderzusetzen, und zwar in einer Weise, wie es sicher keine andere P a r t e i
fertiggebracht hätte. Wenn t r o t z d e m u n s e r e Funktionäre im Ostsektor ebenfalls mit Geduld und ebenso e i s e r n e r Energie zur P a r t e i gestanden haben,
dann ist das ein Verdienst der Sozialdemokratischen P a r t e i und i h r e r Funktionäre und stellt ein Ruhmesblatt der B e r l i n e r Verteidigung d a r .
(Lebhafte Zustimmung bei der SPD. - Zurufe
von der SED. )
Aber inzwischen erleben wir Dinge in Berlin, die wir nicht m e h r mit Geduld
und persönlichen Rücksprachen hinnehmen können.
(Sehr r i c h t i g ! bei der SPD.)
Wenn ein Kreiskommandamt des Osbsektors sich zum k o m m i s s a r i s c h e n
K r e i s l e i t e r der SPD macht und in die inneren Angelegenheiten der P a r t e i
so weitgehend eingreift, daß er entscheiden will, ob gewählte Funktionäre
im Amtr sein dürfen oder nicht, dann übersteigt das jede Möglichkeit, die
die P o t s d a m e r B e s c h l ü s s e , das Jaltaabkommen und viele Worte von Stalin
bisher in Deutschland und in Berlin überhaupt geben. Hier gibt es keine
F o r m f r a g e n m e h r . Hier liegt ein einzigartiger Eingriff der Besatzungsmacht
in innerparteiliche Angelegenheiten vor, der dazu führen soll, das politische
und demokratische Leben nun auch noch in Berlin zu annullieren.
(Zustimmung bei der SPD. - Zuruf von der SED:
Gehört das zu den Londoner Beschlüssen?)
Ich habe nicht die Zeit, auf Einzelheiten einzugehen. Jawohl, das gehört zu
den Londoner Erklärungen; denn wären diese Unterdrückungsformen gegen
        
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