Path:
Periodical volume Nr. 71, 8. Juni 148, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

71

76

Das Wort hat H e r r Stadtverordneter Hahn.
Stadtv. H A H N
über hundert J a h r e n

(CDU) : Meine Damen und H e r r e n ! Schon vor
(Heiterkeit)

hatte ein Spruch in Deutschland Geltung, daß man den Kulturstand eines
Volkes an dem Seifenverbrauch e r m e s s e n könnte. Wenn man den Seifenv e r b r a u c h der Berliner Bevölkerung, wie er zur Zeit ist, a l s Maßstab
der Kultur nehmen wollte, dann würden-wyir uns wahrscheinlich auf einem
ziemlich niedrigen Kulturstand befinden. Ich habe m i r die Aufgabe gestellt,
eine Aufstellung zu machen, was vom Januar bis April für die Berliner B e völkerung an Körperseife ausgegeben wurde, und bin zu dem Resultat gekommen, daß pro Kopf der Bevölkerung insgesamt nur 120 g ausgegeben wurden.
Das i s t natürlich für eine ordnungsgemäße Säuberung des K ö r p e r s absolut
unzureichend. Schmutzkrankheiten, wie wir sie bis dahin in Deutschland
überhaupt nicht kannten, sind jetzt in Berlin an der Tagesordnung, und auch
alle Ansteckungskrankheiten wie Tbc usw. sind eine Folge der ungenügenden Reinigungsmöglichkeit. Die Zuteilung an Waschmitteln für die Hausfrau
ist auch absolut unzureichend. Nicht nur daß die Wäsche nicht ordnungsgemäß gesäubert werden kann, die Hausfrau benutzt zum Teil, um sich zu h e l fen, Waschmittel, die die Wäsche über Gebühr z e r s e t z e n und angreifen.
Wir bitten Sie also, u n s e r e m Antrag stattzugeben, den Magistrat zu
beauftragen, v o r s t e l l i g zu werden, daß eine nennenswerte Erhöhung der Seifenration für die ganze B e r l i n e r Bevölkerung vorgenommen wird.
Stadtv. F r a u S C H R O E D T E R (LDP) : Meine Damen und H e r r e n ! Die Fraktion der L i b e r a l d e m o k r a t i s c h e n P a r t e i stimmt dem Antrag
der CDU vollinhaltlich zu. Aber wir möchten ihn doch dahin erweitern, daß
wir darum bitten, daß der Magistrat nicht nur versucht, die Quantität zu e r höhen, sondern auch die Qualität. Die W ä s c h e v o r r ä t e der Hausfrauen in den
B e r l i n e r Haushaltungen sind d e r a r t gering und mürbe und m ü s s e n länger
gelragein werden, so daß sie ein vielfaches Waschen gar niefot m e h r a u s h a l ten und noch mehr durch die Qualität des gelieferten Seifenpulvers zerfallen.
Deshalb bitten wir, ob es nicht möglich ist, daß das P u l v e r so/veit v e r b e s s e r t wird, daß es nicht nur wäscheangreifend wirkt.
Gleichzeitig bitten wir auch, daß der Magistrat versucht, daß von den
Streichhölzern, die gewöhnlich mit den Waschmitteln zugeteilt werden,
nicht nur jedes siebente zündet, sondern, wenn es geht, jedes zweite. Entweder ist der Kopf des Streichholzes oder die Reibfläche nicht in Ordnung,
und das ist doch eine Materialvergeudung, die wirklich keinen Zweck hat.
Deshalb bitten wir auch, daß die Qualität der Streichhölzer v e r b e s s e r t wird,
und beantragen, im Antrag der CDU folgenden Satz anzufügen:
und gleichzeitig die Qualität der Waschmittel zur Schonung der Wäsche
zu v e r b e s s e r n .
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.