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Periodical volume Nr. 71, 8. Juni 148, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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wollte oder ob die sowjetische Kommandantur vielleicht die Freundlichkeit
hat, mit der Volkskontrolle und den Volkskommissionen über die V e r t e i lung d i e s e r leerstehenden Wohnräume zu verhandeln.
. ; ..
(Sehr gut! bei der SPD. )
Ich will mich hier nicht in Zahlen v e r l i e r e n , da H e r r Stadtrat Klingelhöfer
darüber sehr viel gesagt hat.
Wir m ü s s e n für die B e r l i n e r Bevölkerung diesen Befehl politisch s e hen, und ich möchte fragen: Wird man die Volkskontrolle zulassen, um in
Niederschönhausen in d i e s e m uns allen bekannten Gebiet einmal die Wohnraumfrage zu kontrollieren, aber nicht nur von SED-Angehörigen, sondern
von solchen, die sich dort ein objektives Bild über die Wohnraumverteilung
verschaffen werden? Wird man die Volkskontrolle zulassen über die Sonderverteilung von Lebensmitteln an b e s t i m m t e Stellen des B e r l i n e r O s t s e k t o r s ?
(Sehr gut! bei der SPD.)
Ich denke da an die Zentralverwaltungen, ich denke an die SED-Betriebe
usw. Bekanntlich werden ja diese L e b e n s m i t t e l ' a l l e aus der Verteilungsquote der deutschen Bevölkerung genommen. Wenn die Volkskontrolle auch
dort in ebenso objektiver F o r m , wie man das so gern mit diesem Schlagwort nennt, vorgeht, dann sollte man endlich einmal darangehen, hier Gerechtigkeit walten zu l a s s e n , und darauf verzichten, bewußt Differenzierungen in der Bevölkerung herbeizuführen.
Die Sozialdemokratische P a r t e i steht auf einem anderen Standpunkt.
Sie sieht in d i e s e m Befehl nicht nur eine sektormäßige, sondern auch eine
w e i t e r e Differenzierung in der Bevölkerung. Ich stelle auch die F r a g e : Was
ist ein lebenswichtiger B e t r i e b ? Wer entscheidet d a r ü b e r ? Ich stelle die
zweite F r a g e : Was können die 88 000 A r b e i t e r im B e r l i n e r Ostsektor, die
z. Zt. das zusätzliche Mittagessen bekommen, dafür, daß sie zufällig in
einem von der Kommandantur b e s t i m m t e n lebenswichtigen Betrieb sind?
(Zuruf von der SED: Soll man es ihnen wegnehmen?)
- Nein, H e r r Maron, man soll es ihnen nicht wegnehmen, a b e r man SQ-11
nicht differenzier'en; Man soll nicht 150 OÖO Menschen, die man in einer
ganz b e s t i m m t e n politischen F a c o n h e r a u s n i m m t , ein zusätzliches Mittage s s e n geben, sondern man soll der gesamten Berliner Bevölkerung oder,
wenn man es schon sektormäßig macht, wenigstens allen Angehörigen des
Sektors m e h r E s s e n geben.
(Sehr richtig! bei der SPD.)
Darum fordern wir Sozialdemokraten nicht ein freies Mittagessen für von
der Kommandantur ausgewählte Betriebe, sondern wir fordern die Abschaffung der Karte III zum mindesten für alle arbeitenden Menschen.
(Beifall bei der SPD. )
        
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