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Periodical volume Nr. 71, 8. Juni 148, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Mit dem Befehl Nr. 20 des Generals Kotikow werden eine Reihe von
F r a g e n wieder aufgeworfen, über die die S t a d t v e r o r d n e t e n v e r s a m m lung seit langem B e s c h l ü s s e gefaßt hat. Wir fragen den Magistrat,
wie weit durch die Anwendung des Befehls Nr. 20 eine Differenzierung
in der sozialen Betreuung der Berliner Bevölkerung eingetreten ist.
Was gedenkt der Magistrat zu tun, um einen Ausgleich für alle Sektoren zu schaffen?
Darf ich fragen, ob der Magistrat b e r e i t ist, die F r a g e zu beantworten.
(Wird bejaht.)
Wenn der Magistrat b e r e i t ist, habe ich zu fragen, ob die Stadtverordnetenv e r s a m m l u n g damit einverstanden ist, daß die Anfrage heute b e r a t e n wird. Wenn kein Widerspruch erfolgt, erübrigt sich eine Abstimmung, und die Anfrage wird dann heute behandelt werden.
Ich darf dann den Magistrat gleich bitten, diese Anfrage zu beantworten. - H e r r Stadtrat Klingelhöfer hat das Wort.
Stadtrat K L I N G E L H Ö F E R : Meine sehr geehrten Damen und
H e r r e n ! Soweit es in der Kürze der Zeit, und soweit es vom Standpunkt i n s b e s o n d e r e der wirtschaftlichen Dinge, die Berlin angehen, möglich ist und
soweit sofort greifbares M a t e r i a l gegeben ist, das die Beantwortung der Anfrage erlaubt, möchte ich m i r gestatten, zu der Anfrage Stellung zu nehmen.
Der Befehl Nr. 20 des Kommandeurs des sowjetischen Sektors ist,
wenn man ihn in seiner Gesamtheit nimmt, der e r s t e eindeutige Akt einer
Sondergesetzgebung für den sowjetischen Sektor. In ihm kommt b e s o n d e r s
nachdrücklich die Ausschaltung des M a g i s t r a t s als der Regierung für ganz
Berlin zum Ausdruck.
(Hört! Hört!

bei der SPD.)

D i e s e r Befehl ist außerordentlich weittragend. Darüber ist gar kein Zweifel.
E r betrifft a r b e i t s r e c h t l i c h e F r a g e n , F r a g e n der Ernährung, Wohnungsfragen,
F r a g e n der Versorgung der Bevölkerung. Es werden noch andere Mitglieder
des M a g i s t r a t s den Wunsch haben, sich dazu zu äußern, und sicher werden
auch die P a r t e i e n zu d i e s e r Angelegenheit Stellung nehmen. Jedenfalls handelt
e s sich d a r u m , daß zum e r s t e n m a l , nachdem b i s h e r entsprechende Anordnungen i m sowjetischen Sektor m e h r diskretionär erfolgt sind, in einem v e r öffentlichten Befehl die Ausschaltung des M a g i s t r a t s erfolgt.
Ausdrücklich i s t das festzustellen, wenn Sie den Befehl zur Hand nehmen
und die Ziffer 14 ins Auge fassen, die lautet:
Die Verantwortung für die Durchführung d i e s e s Befehls liegt bei den
B e z i r k s b ü r g e r m e i s t e r n des sowjetischen Sektors von Berlin.
E s ist kein Zweifel d a r ü b e r , daß nach der Ausschaltung des M a g i s t r a t s und
nachdem es sich u m die Tatsache handelt, daß sehr umfangreiche Gebiete,
die b i s h e r einheitlich in Berlin behandelt worden sind, und zwar sowohl von
        
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