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Periodical volume Nr. 69, 25. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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gesagt: „Die Zahlungsbilanz B e r l i n s ist gar'nicht festzustellen, die augenblickliche Zusammensetzung der B e r l i n e r Zahlungsbilanz i s t unmöglich
zu erkennen. " Wenn wir das heute schon feststellen, wie wollen Sie dann
eine b e s o n d e r e Währung für B e r l i n durchführen? Wie soll Berlin eine Deflation und eine Inflation m e i s t e r n ? Ich will Ihnen offen sagen: m e i n e r Auffassung nach würden wir mit der Schaffung einer Berliner,Sonderwährung
das schaffen, was wir nicht wollen, nämlich tatsächlich ein Schanghai
s c h l i m m s t e r Art, ein Schanghai mit Devisenschmuggel, ein Schanghai mit
v e r s t ä r k t e m Schwarzhandel, ein Sumpf für finanzpolitische und kapitalistische Schiebereien und Schmuggeleien, k u r z u m wir würden schaffen ein
Berlin mit katastrophalen Folgen für die Wirtschaft und für die B e r l i n e r
Bevölkerung.
Wir möchten deshalb noch einmal mit a l l e m E r n s t und allem Nachdruck warnen: liefern Sie Berlin nicht den Zufälligkeiten der westlichen
Wirtschaftspolitik bzw. der bizonalen Politik aus, bleiben Sie bei I h r e r b i s h e r i g e n Auffassung, daß Berlin a l s Zentrale für ganz Deutschland der K r i stallisationspunkt für die Einheit u n s e r e s "Vaterlandes ist und bleiben soll.
Wir meinen, daß wir Berlin keinen b e s s e r e n Dienst in der gegenwärtigen
Situation erweisen könnten, als auf Grund der neuerlichen P r e s s e m e l d u n g e n
über eine eventuelle gesonderte Währungsreform i m Westen heute h i e r .
einhellig i m Stadtparlament zu beschließen, die Alliierte Kommandantur
und den Kontrollrat nochmals auf die katastrophalen Folgen einer getrennten
W ä h r u n g s r e f o r m zwischen Ost und West mit a l l e m E r n s t hinzuweisen und
die einheitliche W ä h r u n g s r e f o r m für ganz Deutschland zu fordern.
(Zuruf von der SPD: Das steht ja in u n s e r e m Antrag drin!)
Denn wir sind der Meinung, daß eine getrennte W ä h r u n g s r e f o r m die endgültige Zerreißung Deutschlands und damit ein b e s o n d e r e s Unglück für B e r l i n
bedeuten müßte. Wer diesen Gedanken der Notwendigkeit einer einheitlichen
W ä h r u n g s r e f o r m aufgibt und mit einer B e r l i n e r Sonderwährung spielt, wer
in d i e s e r F r a g e an E x p e r i m e n t e mit Sonderregelungen denkt, der v e r s ü n digt sich an der B e r l i n e r Währung, an der B e r l i n e r Bevölkerung, an der Zukunft B e r l i n s schlechthin.
(Stadtv. Bach: Lieber soll also Berlin gespalten werden!)
- Wer spaltet denn? E s steht ja schon fest, e s ist j a schon in den Zeitungen
aus dem Westen die Mitteilung gekommen, daß Berlin angeschlossen werden
soll, und zwar die westlichen Sektoren B e r l i n s . Ist das eine Spaltung oder
nicht, H e r r Kollege Bach?
(Stadtv. Bach: Das steht eben nicht drin!)
- Das steht in den Zeitungen drin, ich kann es Ihnen zeigen.
Also, meine Damen und H e r r e n , so sehr meine F r a k t i o n den e r s t e n
beiden Absätzen i m I n t e r e s s e der Einheitlichkeit d i e s e s P a r l a m e n t s i h r e
Zustimmung geben könnte, so m ü s s e n wir den dritten Absatz aus g r u n d s ä t z lichen Erwägungen ablehnen. Wir m ü s s e n ihn nicht nur aus u n s e r e r grundsätzlichen Auffassung über eine Sonderwährung in B e r l i n ablehnen, sondern
        
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