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Periodical volume Nr. 69, 25. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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zur Geltung zu bringen. Wir vermögen den Sinn eines Stadtkontors nicht
m e h r richtig zu erkennen, wenn es bei einer so k r i t i s c h e n und schweren
Aufgabe wie > der jetzigen nicht ausreichend und rechtzeitig zu Gehör k o m m e n kann. Wir sind d i e s e r Meinung um so m e h r , a l s es wohl nach u n s e r e r
a l l e r Auffassung von Geldpolitik nicht möglich ist, sich r e i n monetär nur
mit den umlaufenden Münzen und Noten zu befassen, ohne auch das G i r a l geldy die Schaffung von Geld auf der Kreditgrundlage, mit in Betracht zu
ziehen. Auch dazu brauchen wir das Stadtkontor.
Wir brauchen das Stadtkontor endlich um deswillen, weil in seiner
Hand in s t ä r k s t e m Maße der Überblick über die interzonalen Geldverflechtungen liegt, die w,ir hier beachten m ü s s e n . Wir sehen in allen diesen Aufgaben B e r l i n e r Beiträge!zur Klärung der Situation und Vorschläge zur Wahrung seiner eigenen E x i s t e n z e r f o r d e r n i s s e und wünschen hierzu eine B e r a tung in k o m b i n i e r t e r Sitzung des Wirtschaftspolitischen und des K r e d i t p ö litischen A u s s c h u s s e s .
Stadtv. H A U T H (SED) : Meine Damen und H e r r e n ! Ich darf
zunächst (einmal feststellen, daß b e i m M a g i s t r a t die Meinung der Stadtverordnetenversammlung über die W ä h r u n g s r e f o r m und über die Geldreform,
über die wir heute sprechen,, anscheinend nicht sehr hoch veranschlagt wird,
denn ich sehe weder den H e r r n S t a d t k ä m m e r e r noch den H e r r n Stadtrat für
Banken und Versicherungen hier im Saale.
Ich möchte aber darauf (aufmerksam machen, daß wir schon einmal
hier in d i e s e r Versammlung leine k u r z e Währungsdebatte hatten, und zwar
auf Grund des Dringlichkeitsantrags, glaube ich, der SPD vom 15. J a n u a r ,
der Vorlage 632, i und a l s d a m a l s der Kollege Bach von einer eventuellen
b e s o n d e r e n Währungsreform in Berlin sprach, da waren sich, glaube ich,
alle Mitglieder der Versammlung einig, daß mit solchem Gedanken nicht
einmal gespielt werden dürfte, wenn man keine Katastrophenpolitik t r e i b e n
wolle. Wir w a r e n uns einig, daß der Dringlichkeitsantrag nur dazu dienen
sollte, M a t e r i a l zu s a m m e l n über die dringend notwendigen Wünsche, die
Berlin b e i einer kommenden Währungsreform berücksichtigt haben möchte,
daß wir das Mater4al s a m m e l n sollten über die große P r o b l e m a t i k d i e s e r
Ffrage, und ich kann,es m i r e r s p a r e n , auf die P r o b l e m a t i k im einzelnen einzugehen, da mein V o r r e d n e r , H e r r Prof. D r . Tiburtius, eingehend auf die
schwierigen P r o b l e m e , die alle hierbei eine Rolle spielen, ausführlich hingewiesen hat.
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Ich will m e i n e r s e i t s nur darauf hinweisen, daß wir wohl alle glaubten,
daß die Gedanken über eine besondere Währungsreform für Berlin von den
I n t e r e s s e n t e n fallen gelassen und gleichsam a l s Utopie abgelehnt worden
seien. Um so e r s t a u n t e r sind meine Parteifreunde über den neuen Dringlichk e i t s a n t r a g der sozialdemokratischen Fraktion, der uns heute in der Vorlage 811 p r ä s e n t i e r t wird, der jetzt zur Verhandlung steht, und in dem die
Idee einer besonderen B e r l i n e r Währung wieder einmal fröhliche A u f e r s t e hung feiert.
        
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