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Periodical volume Nr. 69, 25. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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i n t e r e s s i e r t doch h i e r . Nur diejenigen Mengen von Gütern können hier i n t e r e s s i e r e n , die man für Geld kaufen kann a l s Gleichgewicht auf der Waagschale,
doch nicht die Produktion oder gar die Produktivkraft an sich.
Nun kann man a b e r , wenn man einmal die Güter in Betracht zieht, die
dem Geld hier in Berlin gegenüberstehen, die ganze Fülle der P r o b l e m a t i k
richtig erkennen, die mit d i e s e m schlichten Wort Geldreform a n g e r ü h r t wird.
E s ist dann einmal nötig, k l a r z u s t e l l e n , in welchem Maße Reparationspflichten, deutsche Verpflichtungen jeglicher A r t gegenüber Auslandsgläubigern
uns aus der steigenden Produktion Güter zur Verfügung stellen lassen, - ein
hochpolitisches Moment! Zweitens m ü s s e n wir auch einmal daran denken, daß
Geldverknappungen auch auf den Anfall an Gütern, an Verbrauchsgütern, günstig einwirken können, die dem deutschen Verbrauch zugeführt werden. Wir
erhoffen doch davon einen starken Druck auf die Räumung von L ä g e r n . Ich glaube, das ist keine utopische, sondern eine doch wohl auch aus der W i r t s c h a f t s erfahrung h e r a u s zu rechtfertigende Annahme.
Wir hoffen weiter - das sei nur hier a m Rande in diesem Stadium der
Vorberatungen angedeutet -, daß eine solche günstige Einwirkung einer Geldverknappung auf das Güterangebot sich in dem Maße zeigen würde, in dem auch
die Kalkulationspolitik, die. P r e i s p o l i t i k Aussichten eröffnet, zu P r e i s e n abzusetzen, die eine wirkliche Abgeltung von Kosten ermöglichen.
Die Besteuerung, meine Damen und H e r r e n , haben wir ja nun in dieser
i h r e r Tauglichkeit bei der Verknappung des Geldumlaufes weiß Gott s a t t s a m
kennengelernt, und wir möchten davor warnen, w e i t e r e Segnungen von einer
F o r t s e t z u n g dieses Handhabens der Steuerschraube zu e r w a r t e n , - Wirkungen,
die ja i m Gegensatz zu einer Geldreform dauernden Charakter tragen, dauernde Auswirkungen ausüben würden auf das Kosten- und P r e i s n i v e a u .
Im p r a k t i s c h e n Vorgehen sind wir der Meinung, daß wir zunächst alles
tun m ü s s e n , um Klarheit über den Bedarf an Geld zu gewinnen, der durch eine
Geldreform zu s i c h e r n w ä r e , durch den Ansatzpunkt und die Höhe des Schnittes,
der für die v e r s c h i e d e n e n F o r m e n von Geld, umlaufendem Geld und angelegtem
Geld, zu ziehen w ä r e . Dazu b r a u c h e n wir Überblick über Löhne, Mieten, Z i n s zahlungen und a n d e r e F o r m e n , Überblick über Bankenkonten und auch eine K l a r heit über das Maß, in dem wir allmählich eine Auflockerung der K o n t e n s p e r r e
vornehmen wollen, über den Augenblick und das Maß, in dem wir eine Absaugung
von übermäßig vorhandenen Geldbeständen durch die F e s t s e t z u n g des Geldschnitt e s vornehmen. Aber dann kann man umso eher daran denken, solche legitimen
Einkünfte, wie sie aus Bankkonten entstehen, in b e g r e n z t e m Umfange wieder
aufleben zu l a s s e n , in dem Umfange wieder aufleben zu l a s s e n , in dem die V e r sorgung mit V e r b r a u c h s g ü t e r n wächst und damit das Gleichgewicht zwischen
Geld und Gütern in der Volkswirtschaft wieder h e r g e s t e l l t wird.
Meine Damen und H e r r e n ! Zu all diesen Auskünften brauchen wir die
Meinung des Stadtkontors, und d a r u m haben wir den Ergänzungsantrag zu dem
Antrag der SPD gestellt, hier die Auffassung des Stadtkontors uns darlegen zu
l a s s e n . Im Ausschuß wird Gelegenheit sein, wie ich hoffe, diesen Standpunkt
        
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