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Periodical volume Nr. 69, 25. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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B ü r g e r m e i s t e r Dr. F R I E D E N S B U R G : Meine Damen und
H e r r e n ! Ich kann auf die Anfrage ganz kurz erwidern, daß eine besondere
Diskriminierung der Jugendlichen in irgendeiner Hinsicht weder sektorenmäßig noch etwa nach dem Alter vorliegt. E s handelt sich u m die nun einm a l durch die Kommandanturbefehle v o r g e s c h r i e b e n e Vorladung zur Anbringung des T r o c k e n s t e m p e l s bei allen P e r s o n e n , die in irgendeiner Weise unter die Bestimmungen fallen. Leider ist das Jugendamnestiegesetz,
das die Stadtverordnetenversammlung b e s c h l o s s e n hat, von der Alliierten
Kommandantur noch nicht genehmigt worden.
(Unruhe.)

-

Ich selber habe mich wiederholt bemüht, eine Beschleunigung der Genehmigung dieses B e s c h l u s s e s zu e r r e i c h e n , zu m e i n e m Bedauern erfolglos. Unt e r diesen Umständen bleibt der P o l i z e i nichts a n d e r e s übrig, als pflichtgemäß und formgerecht die Vorladung zu vollziehen und den T r o c k e n s t e m p e l
dort anzubringen, wo er nach den Bestimmungen notwendig ist.
Vorsteher

S U H R : Wird der Antrag auf A u s s p r a c h e g e s t e l l t ?
(Zurufe von der SED: Jawohl!)

Der Antrag auf A u s s p r a c h e wird seitens der SED gestellt. Das Wort hat
F r a u Stadtv. Hoffmann.
Stadtv. F r a u H O F F M A N N (SED) : Meine Damen und H e r r e n !
U n s e r e F r a k t i o n hat gerade in der letzten Zeit von verschiedenen Jugendlichen b e s o n d e r s aus dem a m e r i k a n i s c h e n Sektor die Mitteilung bekommen,
daß in den letzten Monaten in g r ö ß e r e r Anzahl Jugendliche zum P o l i z e i p r ä s i dium bestellt werden und daß in i h r e m P e r s o n a l a u s w e i s der Trockenstempel
angebracht wird. Bei Nachforschungen über die Vergangenheit d i e s e r Jugendlichen ist festgestellt worden, daß es sich vielfach tatsächlich um solche jungen Menschen handelt, die in i h r e r Vergangenheit durch die Zugehörigkeit zu
irgendeiner nationalsozialistischen Organisation nur in einem ganz geringen
Maße belastet sind, die also weder führende Funktionäre in der Hitlerjugend
waren noch irgendwie a l s besondere F ü h r e r in der P a r t e i oder in der SA
oder in irgendeiner anderen Organisation in Erscheinung getreten sind.
U n s e r e Anfrage sollte den Magistrat v e r a n l a s s e n , einmal festzustellen,
worauf es zurückzuführen ist, daß gerade in der letzten Zeit die Jugendlichen
zur Anbringung des T r o c k e n s t e m p e l s zum P o l i z e i p r ä s i d i u m vorgeladen w e r den; denn irgendwie ist die Jugend sehr beunruhigt. Mit Recht ist ja von H e r r n
B ü r g e r m e i s t e r Dr. F r i e d e n s b u r g die Feststellung getroffen worden, daß man
mit allem Nachdruck v e r s u c h e n muß, auch für Berlin das Amnestiegesetz
durchzubekommen, damit die Jugendlichen unter den gleichen Bedingungen
wie in der Ostzone oder entsprechend der Regelung in den Westzonen in B e r lin endlich in den Zustand v e r s e t z t werden, wegen i h r e r Zugehörigkeit zu
irgendeiner nationalsozialistischen Organisation keine Nachteile zu haben.
        
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