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Periodical volume Nr. 69, 25. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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zu m ü s s e n , daß Sie die wirtschaftlichen Aufgaben u n s e r e r Zeit im Rahmen d e r vom Magistrat betriebenen Planwirtschaft nicht bewältigen können.
E s gibt nicht eine einzige Aufgabe, die Sie mit Hilfe dieses Gesetzes durchführen wollen, die nicht von den Behörden auf Grund dfes bestehenden Rechts
b e r e i t s durchgeführt werden kann, v o r a u s g e s e t z t , daß solche Aufgaben ü b e r haupt lösbar sind. Wir verkennen gar nicht, daß das Emporwachsen zahlr e i c h e r Luxusgaststätten in der Bevölkerung Unruhe und Sorge Schafft. Aber,
meine Damen und H e r r e n , haben Sie denn nicht alle Möglichkeiten, diese
Dinge zu v e r h i n d e r n ? Hat denn die Stadt Berlin nicht die gesetzliche Grundlage dafür, ob es sich nun um den Ausbau von B e t r i e b s s t ä t t e n oder u m was
auch i m m e r handelt, die Ziele zu e r r e i c h e n , die Sie hier e r r e i c h e n wollen?
Die Vorlage d i e s e s G e s e t z e s i s t eine Bankrotterklärung der bisherigen W i r t schaftspolitik des M a g i s t r a t s . Wenn überhaupt das Maß von Planung, das
unter den heutigen Verhältnissen a l s notwendig anerkannt werden darf, in
Berlin durchgeführt werden soll, dann kann es auf der Grundlage der b i s h e r i g e n Gesetzgebung geschehen. Sie greifen nun einen b e s o n d e r e n F a l l
h e r a u s und sagen: um d a s , was wir m i t den uns gegebenen Mitteln b i s h e r
nicht haben v e r h i n d e r n können, einem b e s t i m m t e n Gewerbe gegenüber mit
b e s o n d e r e m Nachdruck zur Geltung bringen zu können, brauchen wir ein
Ausnahmegesetz.
Eine solche Gesetzgebung können wir nicht im Rahmen eines R e c h t s s t a a t e s , den wir doch schaffen wollen, als berechtigt anerkennen. Ich will
gar nicht davon sprechen, ob die Argumente, die H e r r Stadtrat Klingelhöfer zugunsten des G e s e t z e s vorgebracht hat, i m m e r stichhaltig sind. Ich
möchte m i r nur erlauben, auf eines hinzuweisen. H e r r Stadtrat Klingelhöfer hat selbst zugegeben, daß gegenüber einer Zahl von Konzessionen, die
m e i n e s W i s s e n s vor dem Kriege etwas über 14 000 lag, wir heute auf weniger a l s die Hälfte zurückgekommen sind und daß das bei einem Bevölkerungsrückgang von r e i c h l i c h 25% in der Stadt B e r l i n ein an sich gar nicht schlecht e s Verhältnis i s t . Aber man kann doch nicht gesetzliche Maßnahmen tr'effen, die a u s g e s p r o c h e n e r m a ß e n dazu angetan sind, den gegenwärtigen Stand
einer tatsächlichen Mangellage für eine w e i t e r e Zukunft festzuhalten. Darauf
kommt doch schließlich diese Gesetzgebung hinaus. Weil heute das B e r l i n e r
Gaststättengewerbe noch nicht in der Lage i s t , das zu sein, was es für B e r lin i m m e r gewesen i s t - ich möchte m i r erlauben, in P a r e n t h e s e doch einm a l darauf hinzuweisen, daß das B e r l i n e r Gaststättengewerbe für die Stadt
B e r l i n in früheren Zeiten außerordentlich viel bedeutet hat -, weil infolge
der Mangellage d i e s e r Stand der Dinge heute noch nicht e r r e i c h t werden kann,
deshalb will man nun ein Sondergesetz schaffen, um die Verhältnisse auf
dem heutigen Stand festzuhalten. Darauf kommt es doch hinaus. Alles d a s ,
obwohl wir aus der W e i m a r e r Repuhlik ein Gaststättengesetz haben, obwohl
wir alle anderen Möglichkeiten, sei es nun der P r e i s p o l i t i k , s e i es der Lenkung der Warenversorgung usw. , in B e r l i n besitzen. Also wenn wir ein G e s a m t u r t e i l über diese Gesetzesvorlage fällen wollen, dann m ü s s e n wir sagen:
d i e s e s Gesetz i s t e r s t e n s einmal unnötig, weil alle seine Zwecke auch auf
Grund der bisherigen Regelung e r r e i c h t werden können, und zweitens beweist
        
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