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Periodical volume Nr. 69, 25. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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wieder bekannt geworden sind, richten sich u . a . auf einen sehr wichtigen
Gesichtspunkt, nämlich die F r a g e , daß die Verhinderung der Berufsausübung während der Nazizeit, teilweise oder während der ganzen zwölf J a h r e ,
eben auch a l s ein erstattungsfähiger Anspruch anerkannt wird.
In der Vorlage ist die Rede von Sachen und Rechten bzw. Inbegriffen
von Sachen und Rechten, also Vermögenswerten. Meine Fraktion empfiehlt
Ihnen, bei der weiteren Behandlung dieser Vorlage davon auszugehen, daß
diese Begriffe nach Möglichkeit extensiv i n t e r p r e t i e r t werden. E s hat keinen
Sinn, hier irgendwie kleinlich oder engherzig zu sein. Wir können auch b e i spielsweise einen ehemaligen Gewerkschaftsangestellten, der vielleicht 10
J a h r e lang nur 10% oder 30% seiner früheren Einnahmen hat erzielen können,
nicht etwa von d i e s e r Aktion ausschalten, weil er nicht in e n g e r e m Sinne zu
denjenigen gehört, die in den folgenden Bestimmungen, beispielsweise als
Behördenbeamte und -angestellte, aufgeführt worden sind. Die v e r h i n d e r t e
Berufsausübung ist m e i n e s E r a c h t e n s tatsächlich ein V e r m ö g e n s v e r l u s t .
Ein w e i t e r e r wichtiger Punkt i s t die F r a g e der Ausbildung der Jugend.
Sie m ü s s e n bedenken, daß es heute junge Menschen von Mitte zwanzig gibt,
die durch die Entwicklung der Hitler j ä h r e völlig aus der für sie ursprünglich
v o r g e s c h r i e b e n e n Bahn geworfen worden sind, und es ist m e i n e s E r a c h t e n s
unerläßlich, daß man auch da, so wie es b e r e i t s v e r s u c h t worden ist, durch
Gewährung von Stipendien und durch Ausbildungshilfen nach Möglichkeit die
entstandenen Verluste ausgleicht.
Ein w e i t e r e r wichtiger Punkt, der ebenfalls in der Vorlage vorgesehen
ist, i s t die F r a g e der gesundheitlichen Betreuung. Die gesundheitliche B e t r e u ung i s t deshalb so sehr wichtig, weil viele derjenigen, die i h r e m Schicksal
wenigstens soweit entronnen sind, daß sie das nackte Leben r e t t e n konnten,
,
sich doch heute noch in einem außerordentliche ungünstigen Gesundheitszustand
befinden und vor allen Dingen nach dem Zusammenbruch befanden. Die Mittel,
die augenblicklich zur Verfügung stehen, sind nicht gering, aber sie reichen natürlich nicht a u s , um
Ansprüchen gerecht zu werden. E s werden Reisten
gewährt, es wird nach Möglichkeit eine Heilbehandlung geschaffen, und es gibt
auch die Möglichkeit einer Kreditgewährung für die Schaffung neuer Existenzen,
und zwa^durch das Stadtkontor unter Bürgschaft des M a g i s t r a t s . Aber alle diese b i s h e r i g e n Hilfen sind eben doch nur V e r s u c h e , die auf eine b r e i t e r e B a sis gestellt werden m ü s s e n . Deshalb sei in diesem Augenblick noch einmal der
Wunsch ausgesprochen, bei den Bestimmungen, die nun geschaffen werden,
nicht engherzig zu v e r f a h r e n und sowohl das Gesetz wie auch die späteren
Durchführungsbestimmungen dann so extensiv zu i n t e r p r e t i e r e n , daß man nach
Möglichkeit dem begangenen Unrecht steuern kann. Auch in diesem F a l l e gilt
die alte Wahrheit: Doppelt gibt, wer schnell gibt.
V o r s t e h e r S U H R : Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Die Redn e r l i s t e ist erschöpft. Damit ist die e r s t e Beratung des Wiedergutmachungsg e s e t z e s abgeschlossen. E s i s t der Antrag gestellt worden, das Gesetz zur
Beratung einem Sonderausschuß, bestehend aus 18 Stadtverordneten, zu ü b e r weisen. Ich darf gleich diesen kombinierten Antrag zur Abstimmung bringen.
        
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