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Periodical volume Nr. 69, 25. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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J a h r e n waren, die heute - Sie können sie noch an den N u m m e r n an den
A r m e n erkennen - hier herumlaufen und i m m e r noch keine Existenz ha" ben und die man, wenn sie zu den einzelnen Behörden kommen - ich denke gerade an einzelne F ä l l e in Neukölln, die in den letzten Tagen p a s s i e r ten - und dort beispielsweise u m eine Wohnung bitten, über die Achsel
ansieht und denen man sagt: Wir haben wirklich genug Opfer des F a s c h i s m u s , wir brauchen euch nicht noch.
(Hört! Hört!)
Ich denke, das sollte die e r s t e Aufgabe sein, denn hier dreht es sich m e i stens u m junge Menschen, die mit ansehen mußten, wie man von i h r e r Seite Vater, Mutter und Geschwister weggeholt hat, von denen sie wußten, daß
sie zwei Stunden später i m Gas waren. Daran sollte man denken,wenn man
über Wiedergutmachung spricht, und man sollte sehr wohl darauf achten, daß
man diese Menschen, die heute noch mit den tätowierten N u m m e r n auf dem
A r m herumlaufen, nicht über die Achsel ansieht. Auch diese Menschen g e hören zu denjenigen, die, wenn sie heute tausend Mark bekämen, in der Lage
wären, weiterzukommen. V e r g e s s e n wir doch nicht, daß wir eine ganze R e i he von Hinterbliebenen haben, die d a r u m kämpfen m ü s s e n , Stipendien oder
sonstige Unterstützungen zu bekommen, u m nur einem Beruf nachgehen zu
können. Diese Dinge e r s c h e i n e n uns außerordentlich wichtig.
Wir sind mit dem Redner der SPD der gleichen Auffassung, daß man
bei der Wiedergutmachung sehr wohl darauf achten muß, wie sich die Menschen in diesen J a h r e n benommen haben. Man kann nicht jemand, der, wenn
auch selbst Gefangener, unter den Bedingungen eines Gefangenen sich zum
Büttel der SS gemacht hat, etwa gleichsetzen mit den übrigen. Das ist unmöglich, da sind wir mit Ihre n der gleichen Auffassung.
Ich möchte hier nicht lange reden, ich meine nur folgendes. Wenn wir
jetzt darangehen,
die Wiedergutmachung durchzuführen, dann denken
wir, wie ich eingangs gesagt habe, zunächst an diejenigen, die die T r ä g e r
des Widerstandes waren, und wir denken an alle die unschuldigen Menschen,
die nicht gewußt haben, w a r u m im Lager und wie ihnen geschah, wir denken
daran, daß allen diesen wieder eine Existenzmöglichkeit gegeben wird. Wir
m ü s s e n aber in d i e s e m Zusammenhang auch daran denken, daß es jetzt
darauf ankommt, nicht lange zu überlegen, ob d i e s e s Gesetz ein r e i c h s e i n heitliches sein muß, sondern es kommt darauf an, die Maßnahmen zu e r g r e i fen, die in der k ü r z e s t e n Zeit diesen Menschen dazu verhelfen können, wieder ein n o r m a l e s Leben zu beginnen. Deshalb sind wir für den Antrag, der
hier gestellt wurde, einen b e s o n d e r e n Ausschuß zu bilden, und wir hoffen,
daß er r e c h t bald seine Arbeit aufnimmt und beendet.
Stadtv. von B R O I C H " O P F E R T
(CDU) :.' Meine Damen und
H e r r e n ! Der K r e i s der Wiedergutmachungsberechtigten nach der uns v o r g e legten Vorlage ist ein verhältnismäßig weitgehender. T r o t z d e m glaube ich
der Anregung des V e r t r e t e r s der S P D - F r a k t i o n gleichfalls zustimmen zu
sollen, daß man nach Möglichkeit beispielsweise den K r e i s der E r b b e r e c h t i g ten weiterzieht. Aber das ist b e r e i t s ein Einzelpunkt, über den ja in d i e s e m
Sonderausschuß noch m a n c h e r l e i zu sagen sein wird.
        
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