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Periodical volume Nr. 69, 25. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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d i e s e s Rückerstattungsgesetz in der a m e r i k a n i s c h e n Zone fehlen heute
noch. E s ist vor allen Dingen auch deswegen etwas stiller geworden, weil
ja bekanntlich die Währungsreform droht, und da die Dinge wieder a n d e r s
angesehen werden m ü s s e n , wenigstens finanziell.
Ich glaubte, das zu Beginn der Beratung d i e s e r Vorlage sagen zu m ü s sen, u m darzutun, wie schwierig die Angelegenheit ist, und ich spreche die
Bitte a u s , diese Vorlage einem besonderen Ausschuß, der nur für diese
Vorlage da sein soll, zu überweisen,
Stadtv. Dr. L, U C H T (SPD) : Meine Damen und H e r r e n ! H e r r
Stadtrat Dr. Haas hat bei der Begründung der Vorlage, die jetzt zur B e r a tung steht, darauf hingewiesen, daß es sich um eines der schwierigsten P r o b leme handelt, mit der sich die Stadtverordnetenversammlung zu befassen
hat. Dies kommt auch in der Begründung der Vorlage zum Ausdruck, wenn
es dort heißt:
Angesichts der Schwierigkeit und des Umfanges der Angelegenheit
sieht der M a g i s t r a t in der Vorlage eine geeignete Grundlage für' eine
einheitliche und umfassende Wiedergutmachung in G r o ß - B e r l i n .
»
D i e s e r Satz zeigt die offenbaren Schwierigkeiten, die im Magistrat b e standen haben,-und das Au seinander fallen der Meinungen über diese M a t e r i e .
Ich will damit dem M a g i s t r a t k e i n e r l e i Vorwurf machen; denn diese Materie
ist wirklich so schwierig, daß, wenn man sie hier behandeln wollte, jeder
Redner wohl für sich zwei oder noch m e h r Stunden in Anspruch nehmen m ü ß te, wenn er auf die einzelnen P r o b l e m e d i e s e r Materie eingehen wollte.
E s ist ja nicht so, daß diese Dinge hier etwa zum e r s t e n m a l e r ö r t e r t
werden, auch nicht in Berlin. Schon der Hauptausschuß hat sich in einer R e i he von Sitzungen mit dem P r o b l e m beschäftigt und einen Beschluß dazu g e faßt. E s hat sich dann weiter der Rechtspolitische Ausschuß mit Einzelfragen befaßt, insbesondere mit der F r a g e der Rückübertragung des Vermögens,
das hier in F r a g e steht, das in den Besitz der Stadt Berlin übergegangen ist.
Wir glaubten d a m a l s , daß wir hier einen kleinen Anfang machen könnten. Aber auch da sind der Stadtverordnetenversammlung und dem Magistrat
die Hände gebunden; denn jede noch so kleine Regelung bedarf der Z u s t i m mung der Alliierten Kommandantur. Wir B e r l i n e r wissen a l l e , daß viele Ungerechtigkeiten vorliegen, und daß mancher die Dinge so, wie sie jetzt l i e gen, nicht v e r s t e h t . Diejenigen^ die Deutschland haben v e r l a s s e n m ü s s e n ,
die Vermögen hier h i n t e r l a s s e n haben, das ihnen weggenommen worden ist,
und die nun wieder nach Deutschland zurückkommen wollen, sowie auch d i e jenigen, die nicht wieder zurückkommen wollen, machen mit Recht geltend,
daß ihnen das z u r ü c k z u e r s t a t t e n ist, was ihnen dei? N a z i t e r r o r , sei es das
Reich, seien es Dienststellen, seien es einzelne Persönlichkeiten, genommen haben. E s gibt wohl keinen hier in der Stadtverordnetenversammlung
und im M a g i s t r a t , der. dieses Recht nicht anerkennt. Denn was ist es denn
letzten Endes gewesen? E s ist nichts a n d e r e s gewesen a l s ein Raub. Ein
Raub i s t ungesetzlich, und demjenigen, dem etwas geraubt worden ist, ist
        
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