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Periodical volume Nr. 69, 25. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Man fragt die Hausfrauen, ob die "Wohnungen wanzenfrei sind, und wenn
die Leute herausgehen, bitten sie die Hausfrauen, sich in eine Liste einzuzeichnen. Das haben dann die ahnungslosen und i m Einzelfall politisch
vielleicht etwas wenig o r i e n t i e r t e n Hausfrauen getan, und dann stellt sich
h e r a u s , daß die L i s t e , in die man sich eingezeichnet hat, eine Sammelliste
für das Volksbegehren i s t .
(Heiterkeit und Zurufe.)
So bringt man für die P a r t e i der SED Unterschriften zusammen, die auf
a n d e r e Weise gar nicht zu s a m m e l n wären, weil das deutsche Volk es a b lehnt, eine d e r a r t i g e Volksbefragung vorgelegt zu bekommen. Denn es ist
eine Selbstverständlichkeit für uns, daß Deutschland eine Einheit ist,
(Zurufe von der SED.)
"Wir m ü s s e n es ablehnen, daß überhaupt diese F r a g e s t e l l u n g auftaucht, weil
ja die Besatzungsbehörden auf diese Weise den Eindruck'bekommen m ü s s e n ,
als ob wir in Deutschland in d i e s e r Angelegenheit v e r s c h i e d e n e r Auffassung
wären. Aus d i e s e m Grunde bedauern wir es und betrachten es als eine Beleidigung u n s e r e r s t a a t s b ü r g e r l i c h e n Würde, daß dieses V o l k s v e r w i r r u n g s b e gehren überhaupt durchgeführt wird.
(Beifall bei der L D P . )
Stadtv. von B R O I C H - O P P E R T (CDU) ': Meine Damen und
H e r r e n ! E s ist noch keine sechs Wochen h e r , da wurde im V e r f a s s u n g s a u s schuß sehr h a r t d a r u m gekämpft, daß die Bestimmungen über Volksentscheid
und Volksbegehren in der künftigen Verfassung Aufnahme finden. Heute wird
nun so getan - und da muß ich leider ein Mitglied des M a g i s t r a t s a p o s t r o p h i e r e n -, a l s wenn die F r a g e des Volksbegehrens durch die W e i m a r e r V e r f a s sung vollständig geklärt und jede Einzelheit des Verfahrens v o r g e s c h r i e b e n
w ä r e . Davon kann selbstverständlich gar keine Rede sein.
( B ü r g e r m e i s t e r D r . Acker: Sie kennen wohl das Gesetz von
1921 gar nicht?)
- Das kenne ich ganz gut. Aber hier handelt es sich um die Anwendbarkeit
der Vorläufigen Verfassung von G r o ß - B e r l i n , und da ist meine F r a k t i o n
jedenfalls der Auffassung, die hier zum Ausdruck gekommen ist.
Vorst. S U H R : Das Wort hat H e r r B ü r g e r m e i s t e r Dr. F r i e d e n s burg. - E r verzichtet. Dann ist die A u s s p r a c h e geschlossen und die Anfrage
mit der Beantwortung erledigt.
Wir fahren nunmehr in der Tagesordnung fort. Ich rufe auf die lfd.
Nr. 37, Vorlage Nr. 103/755:
Vorlage zur Beschlußfassung über den E r l a ß eines Wieder gutmachungsgesetzes.
Das Wort hat zur Begründung H e r r Stadtrat Dr. Haas.
        
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