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Periodical volume Nr. 69, 25. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Meiner Auffassung nach kann es der Mehrheit des demokratischen Stadtparl a m e n t s nicht v e r w e h r t sein, i h r e n Standpunkt, ihren Willen in einer polit i s c h so bedeutsamen Angelegenheit zur Geltung zu bringen. Ich kann h i e r
nur das wiederholen, was ich auch an der genannten Stelle ausgeführt habe.
Demokratie hat e r s t dann ihren Wert und i h r e Bedeutung, wenn man den d e m o k r a t i s c h e n Körperschaften auch Beschlüsse gestattet, die vielleicht einm a l mit dem Wunsch und dem Willen des Aufsichtsführenden nicht übereinstimmen.
Ich werde nicht u n t e r l a s s e n , diese Gesichtspunkte auch bei der weit e r e n Behandlung der Angelegenheit geltend zu machen. Einstweilen kann
a b e r selbstverständlich bei der k l a r e n Willensäußerung der sowjetischen
Kommandantur i m sowjetischen Sektor die Beschlußfassung der Stadtverordn e t e n v e r s a m m l u n g nicht durchgeführt werden. Ich habe auf die zahlreichen
Anfragen, die g e s t e r n und heute an mich in dieser Angelegenheit ergangen
sind, regelmäßig erwidern m ü s s e n , daß zwar der Beschluß der 'Stadtverordn e t e n v e r s a m m l u n g vorliegt und deshalb sämtliche Bediensteten der Stadtverwaltung insofern an diesen Beschluß gebunden seien, als sie sich jeder a k t i ven Propaganda i m Dienst zu enthalten hätten, daß a b e r das Ausliegen von
Listen und dergleichen in den Räumen der Stadtverwaltung angesichts der k l a r e n Willenskundgebung des tatsächlichen G e w a l t t r ä g e r s im sowjetischen Sektor geduldet werden m ü s s e . Ich habe das auch noch schriftlich wiederholt,
u m auf die zahlreichen Anfragen hin Klarheit zu schaffen. Ich bin b e r e i t , die
unter dem heutigen Tage ergangene allgemeine Anweisung hier vorzulesen.
Ich habe festgestellt:
Auf zahlreiche Anfragen aus der Verwaltung stelle ich fest, daß der
Stadtverordnetenversammlungsbeschluß, wonach die Diensträume des
M a g i s t r a t s für die Durchführung des Volksbegehrens nicht zur Verfügung gestellt werden dürfen, auf Anordnung der sowjetischen Z e n t r a l kommandantur b i s zur anderweitigen Entscheidung im sowjetischen
Sektor von Berlin nicht durchgeführt wird. Das Auslegen von Lüsten
für das Volksbegehren ist also i m sowjetischen Sektor zu dulden, ebenso ein nötwendiger Hf&weis auf die Liste a m Schwarzen Brett und d e r gleichen. Dagegen halte ich jede Propaganda in den Diensträumen aus
allgemeinen Gründen für unerwünscht und unzulässig.
V o r s t e h e r S U H R : Wird der Antrag auf Beratung gestellt?
(Rufe von der SPD: Jawohl!)
Das Wort hat der H e r r Stadtv, Swolinzky.
Stadtv. S W O L I N Z K Y ( S P D ) : Wir können a l s F r a k t i o n der SPD
die E r k l ä r u n g des H e r r n B ü r g e r m e i s t e r s nicht ohne Widerspruch hinnehmen.
Ich will nicht dagegen p o l e m i s i e r e n , wenn Sie von einem politisch b e d e u t s a men Vorgang bei denn Volksbegehren sprechen; das war ja doch nur s c h e r zend gemeint. Aber wenn Sie sagen, die städtischen Verwaltungsstellen sollten t r o t z des B e s c h l u s s e s der Stadtverwaltung die Auslegung von L i s t e n
        
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