Path:
Periodical volume Nr. 69, 25. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

22

69

gestellt werden dürfen. Der Magistrat hat sich in seiner Sitzung vom 13.
Mai mit d i e s e r Angelegenheit befaßt und hat beschlossen, die Anweisung
der Stadtverordnetenversammlung den nachgeordneten Stellen w e i t e r z u g e ben. Das ist noch unter dem gleichen Tage mit der Unterschrift der s t e l l v e r t r e t e n d e n F r a u O b e r b ü r g e r m e i s t e r Schroeder und des H e r r n Stadtrats
Theuner geschehen. Sämtliche eigentlichen und unmittelbaren D i e n s t s t e l len des M a g i s t r a t s und die Dienststellen der städtischen Betriebe haben
diese Beschlußfassung der Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnisnahme und zur Beachtung erhalten. Daraufhin bin ich selbst am 20. Mai zu der
sowjetischen Zentralkommandantur bestellt und dort von dem L e i t e r der
Kommunalabteilung der sowjetischen Kommandantur H e r r n Major Otschkin
empfangen worden. H e r r Major Otschkin hat mich nach dem Inhalt der B e schlußfassung der Stadtverordnetenversammlung und des M a g i s t r a t s gefragt. Ich habe richtiggestellt, daß ein Magistratsbeschluß h i e r z u nicht g e faßt worden sei, daß er auch nicht e r f o r d e r l i c h gewesen sei, da es sich um
eine nicht der Zustimmung des M a g i s t r a t s bedürftige Anweisung a l l g e m e i ner A r t der S t a d t v e r o r d n e t e n v e r s a m m l u n g handele. H e r r Major Otschkin
hat m i r gegenüber dann mündlich e r k l ä r t , daß d i e s e r Beschluß der Stadtv e r o r d n e t e n v e r s a m m l u n g für das Gebiet des sowjetischen Sektors von G r o ß Berlin nicht angewendet werden dürfe, daß eine entsprechende unmittelbare
Anweisung den H e r r & i B e z i r k s b ü r g e r m e i s t e r n der Bezirke i m sowjetischen
Sektor b e r e i t s zugegangen sei. Ich habe sofort mündlich meine Bedenken
gegen diese Anordnung geltend gemacht, und H e r r Major Otschkin hat m i r
dann in Aussicht gestellt, daß eine schriftliche Bestätigung dieses Befehls
folgen werde. Ich habe diesen Befehl abwarten wollen, ehe ich weitere Schritte ergreifen würde, weil ich mich nicht auf das Gedächtnis über die mündlich gemachten Eröffnungen v e r l a s s e n wollte. Bisher ist diese schriftliche
Bestätigung aber noch nicht eingegangen,
(hört! h ö r t !

bei der SPD und der CDU)

und ich werde nunmehr meine Bedenken auf Grund der mündlichen Eröffnungen geltend machen.
Meine Bedenken gründen sich auf zwei Erwägungen. E r s t e n s einmal
unterliegt der Magistrat in allen seinen Dienststellen und in allen seinen
Funktionen der Aufsicht, der Kontrolle und auch der Anweisung d e r A l l i i e r ten Kommandatura, zu d e r e n Entschließungen die Einstimmigkeit aller vier
Besatzungsmächte e r f o r d e r l i c h ist. Es ist a l s o an sich schon formell nicht
ttööglich, daß der Magistrat eine Anweisung erhält, die nur von einer B e satzungsmacht ergeht, und es kann der Magistrat - wir sehen das im Augenblick bei der F r a g e der Räumlichkeiten für die Offiziere der B e s a t z u n g s mächte bei der Polizei an einem praktischen Beispiel - in eine a u ß e r o r d e n t lich schwierige Lage kommen, wenn er womöglich gegenteilige Anweisungen der BeSatzungsmächte e r h ä l t . .
Von d i e s e r rechtlichen F r a g e abgesehen habe ich aber auch - und das
habe ich H e r r n Major Otschkin zum Ausdruck gebracht - grundsätzliche
Bedenken gegen die demokratische Zweckmäßigkeit einer solchen Anwei sung.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.