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Periodical volume Nr. 68, 13. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Und d a r u m haben wir auch Verständnis dafür, daß die Arbeitnehmer
h i e r a l s P r o d u z e n t e n und V e r b r a u c h e r angesprochen werden, und haben
auch ein Verständnis dafür, daß der P r ä s i d e n t einer W i r t s c h a f t s k a m m e r
vom Magistrat bestätigt wird, weil damit in d i e s e r K a m m e r unverkennbar
ein Mandat für die V e r b r a u c h e r liegt.
Aber wir haben kein Verständnis dafür, w a r u m etwa eine K a m m e r
gerade dann, v e r e h r t e r H e r r Stadtrat, wenn sie kein Interessenhaufen ist,
sondern wenn sie eine sorgfältig abgewogene Vertretung a l l e r Wirtschaftsstufen ist, dann darauf v e r z i c h t e n sollte, sich i h r e n P r ä s i d e n t e n selber zu
wählen, wofern doch die politische Tauglichkeit mit a l l e r Sorgfalt geprüft
werden soll. Ja, wenn es sich um einen Interessentenhaufen handeln würde,
könnte man sagen: der darf sich keinen P r ä s i d e n t e n wählen; denn der hat
eine Zusammensetzung politisch höchst einseitig suspekter A r t . Das hätte
innere Logik, u m staatspolitische Gefahren zu verhüten. Aber wenn es k e i n l n teresserfenha-ufen ist, w a r u m v e r s a g t man dann diese letzte Krönung, die
staatspolitische Anerkennung, das Recht, sich seinen P r ä s i d e n t e n zu wählen? Diese Zusammenhänge v e r m a g ich nicht zu erkennen.
(Bravo! bei der CDU.)
Vorst. S U H R : Das Wort hat der H e r r Stadtverordnete F r i t z Reut e r . Die Redezeit der SED beträgt noch 20 Minuten.
Stadtv. F r i t z R E U T E R (SED) : Die Fraktion der Sozialistischen
Einheitspartei hat b e r e i t s durch den Mund m e i n e s P a r t e i f r e u n d e s Baum
ganz eindeutig dargelegt, um was es uns bei dem Aufbau einer d e m o k r a t i s chen Wirtschaftsorganisation für Berlin geht. Wir wünschen und machen davon u n s e r e Stellungnahme zum W i r t s c h a f t s k a m m e r g e s e t z abhängig, daß die
A r b e i t e r und i h r e Vertretung, die B e t r i e b s r ä t e und Gewerkschaften, in
der Wirtschaft wirklich m i t b e s t i m m e n d sind und daß nicht nur einer i h r e r
V e r t r e t e r einmal hier und da an irgendwelchen A u s s c h ü s s e n oder K o m m i s sionen beteiligt wird, sondern daß die Arbeiterschaft und die Belegschaften
in der jetzt zu schaffenden Wirtschaftsorganisation von unten b i s oben v e r t r e t e n sind und so in der Lage sind, wirklich mitbestimmend bei der O r g a nisation der Produktion und gleichzeitig auch bei der Verteilung der P r o d u k te mitzuwirken. H e r r Stadtrat Klingelhöfer hat, wie das auch jetzt in dem
Entwurf der C h r i s t l i c h - D e m o k r a t i s c h e n Union zum Ausdruck kommt, zum
Ausdruck gebracht, daß die G e w e r k s c h a f t s v e r t r e t e r nicht von der A r b e i t e r schaft selbst b e s t i m m t werden sollen, sondern «daß dies dem Magistrat ü b e r l a s s e n bleiben soll. H e r r Klingelhöfer hat sich inzwischen allerdings k o r r i giert, aber darin drückt sich sehr eindeutig a u s , daß hier n o r m a l e r w e i s e die
ihm genehmen V e r t r e t e r aus der Arbeiterschaft beteiligt werden sollen, die
dann selbstverständlich nach außen hin das Schild einer sogenannten A r b e i t s gemeinschaft abzugeben haben.
E s ist ja schließlich bekannt, daß in Berlin Tausende von A r b e i t e r n
an Hunderten von Streiktagen schon jetzt um ihr Mitbestimmungsrecht haben
kämpfen m ü s s e n , und d i e s e r Tage hat in Neukölln in einem B e t r i e b , in dem
        
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