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Periodical volume Nr. 68, 13. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Und zu dem Geist, der weiter hier h i s t o r i s c h angefordert ist: Wir
wurden ja auf das Jahr 1862 a l s ein verpflichtendes Datum hingewiesen.
Nun, gehen wir ruhig ein bißchen weiter zurück in die Zeit, in der sich
Christen b e i d e r l e i Bekenntnisses zu gemeinwirtschaftlichen Ordnungen
zusammenfanden, in F r a n k r e i c h und Deutschland, katholische und evann
lische! Sie haben uns das Zentrum als u n s e r e n Mutterboden angewiesen.
Nun, wir freuen uns, F r e u n d e aus dem Zentrum, aus alten d e m o k r a t i schen P a r t e i e n , aus allen möglichen Gruppen, auch aus unparteilich-politischen Entwicklungen bei uns zu haben. Wir sind aber nicht cum b e n e ficio inventarii irgendwie Rechtsnachfolger der Z e n t r u m s p a r t e i oder i r gendeiner andern P a r t e i . Wenn Sie die Monopolverhütuxig in den V o r d e r grund des Gedankens und der Aufgabe des G e s e t z e s stellen, so s t i m m e ich
von H e r z e n zu. Ich habe das auch b e r e i t s in meinen e r s t e n Worten getan.
Aber ich glaube, die B e r l i n e r Wirtschaft ist nicht eigentlich ein typischer
Mutterboden, aus sich h e r a u s Monopole oder ähnliche Gebilde der Wettbewerbsbeschränkung hervorzubringen, sondern unter ihnen leidet die typische V e r a r b e i t e r w i r t s c h a f t Berlins und hat darunter gelitten, daß die e i senschaffende Industrie, der Kohlenbergbau und die anderen großen Grundstoffindustrien in allen möglichen F o r m e n Monopole der Preisbildung, der
W a r e n v e r k e h r s b e s c h r ä n k u n g ausgebildet haben. Dagegen wollen wir Vorkehrungen treffen, und wir glauben, daß auch die Zielsetzungen, die wir mit F r e u d e
im modernen Sozialismus spüren, h i e r m i t gefördert werden könnten, n ä m lich durch Verhütung von Vormachtsstellungen in der Verwendung wirtschaftlicher Güter die F r e i h e i t des G e i s t e s zu fördern. Das ist wohl eine der Zielsetzungen, die der Sozialismus a n s t r e b t .
Der L i b e r a l i s m u s tut es auf a n d e r e m Wege in der Entfaltung der Wettbewerbskräfte, und wir glauben, es wird der Entfaltung des Geistes der
Stadt Berlin außerordentlich dienlich sein, wenn sich hier eine Wirtschaftsorganisation entwickelt, die genau so e l a s t i s c h und mannigfaltig ist wie die
Ausbildung der Wirtschaftskräfte in Berlin selbst, dieser typischen V e r a r b e i t e r s t a d t , in der so viele Mittel- und Kleinbetriebe etwas zu sagen haben.
Und damit würden wir auch, glaube ich, an einer kurzen Betrachtung
noch angelangt sein, die zeigen würde, wieso man mit einer d e r a r t i g e n wirklich echten demokratischen Selbstverwaltung in der Tat in Notzeiten der Mangelwirtschaft etwas diesen Zeiten Angepaßtes schaffen kann. Wir brauchen
augenblicklich eine Produktionsweise, die vielfach von der kaufkräftigen
Nachfrage abweicht. E s gibt in solchen Zeiten des S c h w a r z m a r k t e s manche
kaufkräftige Nachfrage, der wir nicht entsprechen wollen, und es gibt sehr
viele käufunkräftige Nachfragen, die aber ein echtes soziales Bedürfnis sind,
die wir kaufkräftig machen m ü s s e n . Das sind Aufgaben, denen sich eine W i r t schaf tslenkung nicht entziehen kann.
Und dazu brauchen wir genaue Kenntnis des Bedarfs, und d a r u m diese Ordnung vom V e r b r a u c h e r b i s zum P r o d u z e n t e n hinauf, die wir a n s t r e b e n ,
wobei wir sagen m ü s s e n : das V e r b r a u c h e r e l e m e n t ist einstweilen nicht a l l zu s t a r k v e r t r e t e n .
        
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