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Periodical volume Nr. 68, 13. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Stadtrat K L I N G E L H Ö F E R : Meine sehr v e r e h r t e n Damen
und H e r r e n ! Ich werde mich bemühen, i m Rahmen einer Generaldebatte
nur Wesentliches zu sagen, was nicht zur Einzeldebatte gehört.
Ich war etwas ü b e r r a s c h t , daß von zwei Seiten das Wort fiel, daß
es sich h i e r um einen trockenen Stoff handele. Ich wünschte, das deutsche
Volk empfände die Materie nicht a l s einen trockenen Stoff. E s handelt sich
u m eine v e r d a m m t b i t t e r b ö s e Angelegenheit, wenn wir in die Vergangenheit
hineinsehen, und um eine eminent verantwortliche Seite, wenn wir in die
Zukunft hineinsehen. Dahinter stehen nicht m e h r und nicht weniger a l s alle
Gründe, die zu dem entsetzlich t r a g i s c h e n Weg Deutschlands in seiner j e t z i gen Situation geführt haben, und dahinter stehen alle die schicksalsvollen
F r a g e n , die gelöst werden m ü s s e n , damit Deutschland weder in der Zukunft
von neuem einen d e r a r t i g e n Weg geht, noch die Möglichkeiten v e r s ä u m t ,
einen Weg zu finden, der des Lebens wert i s t . E s ist schon so.
Ich bitte Sie, bei der Generaldebatte d i e s e s W i r t s c h a f t s k a m m e r g e , s e t z e s zu beachten, daß das Sozialisierungsgesetz und dieses Wirtschaftsk a m m e r g e s e t z eine Einheit sind, daß wir durchaus den Ehrgeiz haben, in
Berlin mit diesem Sozialisierungsgesetz und mit diesem Wirtschaftskamm e r g e s e t z für Deutschland Modelle zu geben, die geeignet sind, die F e h l e r
in der Wirtschaftsverfassung zu beseitigen, die bestehen, und die F e h l e r in
der Wirtschaftsorganisation zu beseitigen, die bestehen und bestanden, und
die zu dem entsetzlichen Wege Deutschlands in seiner heutigen Situation g e führt haben.
Das Sozialisierungsgesetz will vollständig bewußt das liberale W i r t schaftssystem an jenen Punkten entscheidend ändern, an welchen eine s o zialistische K o r r e k t u r notwendig ist, wenn d i e s e s l i b e r a l e Wirtschaftssys t e m nicht zu einer monopolkapitalistischen Planwirtschaft in der Welt führ e n soll, die unvermeidlich k r i e g e r i s c h i s t . Sie wissen, weshalb das Soz i a l i s i e r u n g s g e s e t z in dem § 1 seines Durchführungsgesetzes gerade bei a l len jenen Industrien angeknüpft ha^t, die m a r k t b e h e r r s c h e n d sind, bei allen
jenen Industrien, die monopolbildend sind, und wie hier die W i r t s c h a f t s verfassung geändert werden muß, von der ein Dichter, Upton Sinclair, sagte: die l i b e r a l e Demokratie war ein Mißerfolg, und wie die W i r t s c h a f t s v e r fassung geändert werden muß, so muß auch die Wirtschaftsorganisation g e ändert werden.
E s i s t leider so, es gibt kein Beispiel für die Entwicklung, für eine
wirtschaftliche Entwickelung eines Volkes in der Welt, das der Entwicklung Deutschlands ähnlich w ä r e . Wir m ü s s e n wissen: genau so wie wir i m
Sozialisierungsgesetz die Voraussetzungen schaffen m ü s s e n für den F r i e den in der Zukunft, genau so m ü s s e n wir i m W i r t s c h a f t s k a m m e r g e s e t z die
Voraussetzungen dafür schaffen, daß die Demokratie nicht m e h r gefährdet
werden kann, H e r r Dr. Reif. Die Demokratie darf nicht mehr gefährdet
werden.
(Stadtv. Dr. Reif: Das sage ich ja auch!)
        
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