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Periodical volume Nr. 68, 13. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Meine Damen und H e r r e n ! Wenn es m i r erlaubt ist, einmal mit diesen Maßstäben an das Gesetz und seine einzelnen Bestimmungen h e r a n z u t r e ten, soweit sie zur grundsätzlichen Wür digung dieses Bildes gehören, so
ist in puncto Vollständigkeit des Aufbaus der Wirtschaftskammer einiges zu
v e r m i s s e n . Der V e r b r a u c h e r ist nicht vorhanden. Wir hatten früher mal
eine V e r b r a u c h e r k a m m e r in Hamburg, ein ausgezeichnetes Gebilde. Da
es fehlt, wächst die Verantwortung des Handwerks, des Handels, aller konsumnahen Wirtschaftszweige. Um so wichtiger ist es für die große V e r a r b e i t e r - und V e r b r a u c h e r Stadt Berlin, gerade das Schwergewicht, das Mitsprechen, Mitratenkönnen d i e s e r K r e i s e in der K a m m e r im Aufbau der F a c h gemeinschaften zu betonen. Land- und F o r s t w i r t s c h a f t fehlt, und damit weit e r e wichtige Verbrauchergruppen, die das I n t e r e s s e des V e r b r a u c h s hier
v e r t r e t e n können, insbesondere das P r o b l e m der sozialen P a r i t ä t .
Wir haben eben wieder die alten Lieder über die Gefährlichkeit j e g l i cher U n t e r n e h m e r o r g a n i s a t i o n gehört. Sehr v e r e h r t e H e r r e n , man muß manchmal auch in den Requisitenschrank der Vorurteile hineinleuchten, um den
Lagerumschlag darin etwas zu beschleunigen. E s gibt auch manchmal die
Expropriation der B e s i t z e r von Vorurteilen, eine b e s o n d e r s schwere A r t der
Expropriation.
(Zurufe von der SED. )
Sie ist außerordentlich schwer deshalb, weil sie von Karl Marx nicht b e handelt ist, sondern er hat uns dieses Kapitel ü b e r l a s s e n . Das können wir
a l s gemeinsame Aufgabe dieses Hauses ansehen. Sie können doch wirklich
nicht behaupten, meine Damen und H e r r e n von der SED, die Sie diese B e s o r g n i s s e haben, daß Sie in j e d e r U n t e r n e h m e r o r g a n i s a t i o n Gefahren für den F r i e den und daß Sie in keiner Unternehmer Organisation irgendwelche Eignung und
Chancen für die Ausbildung von U n t e r n e h m e r n zu nützlichen Fähigkeiten finden können. Wenn Sie beim Ausbilden der Arbeitnehmer in den Gewerkschaften mit Recht sagen, daß Sie wohl die Unterlegenheit des einzelnen A r b e i t n e h m e r s in der Beurteilung seines Berufs, s e i n e r Marktchancen, der A u s sichten der Verwertung seiner Arbeitskraft ausgleichen, gilt dasselbe doch
von einer großen Zahl m i n d e s t e n s von Mittel- und Kleinbetrieben des v e r a r beitenden Gewerbes und des Handels, nicht um diesen Menschen subjektive
Rechte zu erfüllen, sondern um der Allgemeinheit eine b e s s e r e Möglichkeit
der Schulung und Heranbildung d i e s e r Kräfte zu geben, wozu Organisationen
ganz unerläßlich sind.
Um Gemeinschaften zu bauen, bei denen man nun auch bei T a r i f v e r t r ä gen in der Lage ist, den Lohn als F a k t o r der Erhaltung der Arbeitskraft,
aber auch als Element des P r e i s e s und den P r e i s a l s Voraussetzung für die
Absatzfähigkeit der Produkte und damit wieder für die Lage des A r b e i t e r s
einzuschätzen, d.h. die Gemeinwirtschaft zu lenken, dazu braucht man O r ganisationen, keine Organisationen, welche die Fähigkeit der Wirtschaft, zu
p r o d u z i e r e n und zu v e r s o r g e n , aufheben.
        
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