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Periodical volume Nr. 68, 13. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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ohne das allerdings eine Selbstverwaltung nicht möglich w ä r e , daß in
einer solchen K a m m e r Vollständigkeit des Aufbaus, der P a r i t ä t nicht
nur im formalen Sinne zwischen U n t e r n e h m e r n und A r b e i t e r n , sondern
zwischen Produzenten, Händlern und V e r b r a u c h e r n , zwischen allen b e teiligten Wirtschaftsgruppen, Industrie, Reparaturhandwerk, Debitoren,
Kreditoren und U n t e r n e h m e r n und A r b e i t e r n und Angestellten h e r g e s t e l l t
wird, also volle Gemeinwirtschaft durch dazu sachkundige und l e g i t i m i e r te Repräsentanten, zusammengefaßt in einem solchen Körper. Kein Unt e r n e h m e r darf ein Wort a u s s p r e c h e n ohne zu wissen, daß er es, wenn
er es in der K a m m e r a u s s p r i c h t , doch auch m a l vor A r b e i t e r n zu v e r a n t worten hat, kein A r b e i t e r eine F o r d e r u n g im Namen der Kammer a n m e l den, die er nicht vor U n t e r n e h m e r n rechtfertigen kann, und ähnliche B e ziehungen zwischen Lieferanten und Abnehmern. Das scheint m i r Gemeinwirtschaft zu sein, einen solchen B r a u c h in einer solchen K a m m e r zu
schaffen.
F r e i l i c h hat das nur dann einen wirklichen Lebenssinn, wenn es
sich wirklich um Übertragung von Hoheitsrechten auf die Kammer handelt,
von denen Kollege Wisseil und auch der B e r i c h t e r s t a t t e r gesprochen haben. Und hier setzen die Zweifel ein, die wir alle e r n s t nehmen m ü s s e n ,
und ohne d e r e n befriedigende Aufklärung eine Zustimmung zu diesem Gesetz in der Tat auch m e i n e r F r a k t i o n nicht möglich wäre»
Wir m ü s s e n dazu m a l den § 7 ansehen. Der § 1 setzt sehr v e r h e i ßungsvoll mit einem prachtvollem P r ä l u d i u m ein, indem er von F o r t e n t wicklung der Wirtschaft in Selbstverantwortung spricht und damit Aufgabe
und E r n s t der Verantwortung der Kammer s t ä r k s t e n s betont. Im § 7 ist
ein bißchen viel die Rede von Beraten, Unterstützen und Mitwirken, und
wir m ü s s e n k l a r s t e l l e n , daß die i m § 7 umfaßten Aufgaben der K a m m e r
nach dem Grade der Mitverantwortung, des Mittragens durch die K a m m e r
doch sehr v e r s c h i e d e n zu beurteilen sind. Verteilung von Rohstoffen, Kontingentierungen scheinen m i r Aufgaben zu sein, bei denen ein wirkliches
Miteinander denken und Verantwortung von Produzenten, V e r a r b e i t e r n , Händl e r n , soweit vorhanden, V e r b r a u c h e r n , wirklich echte Selbstbestimmung,
echte Selbstverantwortung in dem Sinne e r f o r d e r l i c h ist, daß die hierzu b e rufenen Stellen selbst zu b e s t i m m e n und die Durchführung zu lenken haben.
Wenn die Rede ist von der Mitwirkung bei der Zulassung von Gewerbebetrieben, sollte der Begriff Selbstverwaltung im Sinne einer Hoheitsfunktion so weit gehen, daß nicht nur die einzelnen leitenden Gruppen allein
- das w ä r e Zunftwirtschaft -, sondern alle beteiligten Gruppen, m e i n e t h a l ben bei TextilfachgeSchäften auch die v e r a r b e i t e n d e n S c h n e i d e r m e i s t e r g e m e i n s a m mit dem Textileinzelhandel, gewisse Maßstäbe für die Zulassung
von Betrieben suchen helfen. Bei der P r e i s p o l i t i k handelt es sich darum,
daß wir endlich m a l eine Anpassung der Preisbildung an Kosten- und E r t r a g s v e r h ä l t n i s s e bekommen, wofür wieder Unternehmungen und Lieferanten und Abnehmer und auch der Kreditor i m Bankgewerbe mitzuhören i s t .
        
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