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Periodical volume Nr. 68, 13. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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die Behörden auf wirtschaftlichem Gebiete zu tun haben. E s ist doch p r a k tisch schon so, daß, wenn die einzelnen Wirt Schaft samt er draußen in den
Ländern irgend etwas wollen oder brauchen, sie gezwungen sind, sich an
die Unternehmerverbände zu wenden, und die Folge d i e s e r Geschichte i s t
die: die Unternehmerverbände b e r a t e n und b e s t i m m e n . Sie b e s t i m m e n b e i spielsweise, wo und an welcher Stelle i n v e s t i e r t wird. Sie b e s t i m m e n auch
beispielsweise darüber, was für uns in Berlin nicht ganz u n i n t e r e s s a n t ist,
wie das dem Wirtschaftsverband Elektroindustrie nicht ganz unbekannt ist,
in welchem Umfange die Berliner Elektroindustrie in i h r e r Kapazität v e r k l e i n e r t wird und ähnliche Dinge m e h r . Ich glaube, meine Damen und H e r r e n , ob wir heute mit Fachgemeinschaften anfangen, ob diese morgen weitm e h r , a l s ihnen heute an Positionen zugesichert wird, gewinnen, es i s t
ein altes Gesetz: l a s s e n Sie die Unternehmer unter sich, so wird es nichts
a n d e r e s geben a l s den Kampf gegen die Arbeitenden, und v e r l a s s e n Sie sich
darauf, morgen werden diese Kräfte den dritten Weltkrieg o r g a n i s i e r e n .
(Lachen.)
Meine Damen und H e r r e n ! Diese Befürchtungen stammen nicht bloß
von uns. Das ist ein I r r t u m , meine H e r r e n Kollegen Bach und Wissell. In
I h r e r eigenen P a r t e i gibt es i m m e r h i n ähnliche Auffassungen.
(Stadtv.

Reif: Was machen Sie, wenn der Krieg vor der V e r abschiedung d i e s e s G e s e t z e s k o m m t ? Große H e i t e r k e i t . )

- Ich würde an I h r e r Stelle nicht so neugierig fragen. Abgesehen davon scheinen Sie so gute Beziehungen zu haben und so k r i e g s l ü s t e r n zu sein, daß Sie
scheinbar nur auf den Moment warten. Aber eins weiß ich: infolgedessen
glauben Sie vielleicht oder Kräfte u m Ihre P a r t e i h e r u m , daß dann den Unt e r n e h m e r n wieder das gegeben wird, was Sie so h e r z l i c h wünschen.
Ich greife m i r nur h e r a u s , was der "Telegraf" vom Sonnabend, dem
24. April über das Wesen der Unternehmerverbände i m Westen Deutschlands schreibt. E r sagt:
E s i s t die alte kapitalistische Finanzweisheit, die uns hier in
neuer F o r m geboten wird; daß ausgerechnet die I n d u s t r i e - und
H a n d e l s k a m m e r n der Westzonen als Sprecher für die unverhüllten U n t e r n e h m e r i n t e r e s s e n auftreten, rechtfertigt die Bedenken,
die von s o z i a l i s t i s c h e r Seite gegen diese Organe erhoben w e r den. Die alten Syndici sind wieder a m Werk, von einem neuen
demokratischen Geist ist wenig zu spüren.
Das ist der "Telegraf" und nicht das "Neue Deutschland". Ich glaube, daß
Ihnen das ein etwas unverdächtiger Zeuge ist.
(Sehr richtig!

bei der SPD.)
        
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