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Periodical volume Nr. 68, 13. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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sondern, wie der § 1 1 sagt, um die Zusammenfassung der Geschäftsleitungen und u m die fachliche Vertretung a l l e r Unternehmen, gleichviel, ob
öffentliche oder p r i v a t e . Wenn auch diese Fachgemeinschaften auf Grund
f r e i e r Vereinbarungen entstehen, so unterliegen sie doch alle den Gesetzen,
die aus i h r e r Branche oder Gruppe entspringen. Man wird darauf hinweisen,
es könnte dies a l s Zwang ausgelegt werden. E s ist nach u n s e r e r Auffassung
kein Zwang, sondern die Notwendigkeit der Erfassung a l l e r , wenn diese
Fachgemeinschaften auch g r ö ß e r e Aufgaben durchführen sollen.
Sie sind auch keineswegs unkontrolliert in der Durchführung i h r e r
Aufgaben. Denn die Wichtigkeit i h r e r Aufgaben, wie das Gesetz sagt, der
Verteilung von Kontingenten, der Durchführung der Berichterstattung,
Schwerpunktsbildungen und dergleichen, e r f o r d e r t es unbedingt, sowohl
von der p a r l a m e n t a r i s c h e n Seite, a l s auch von unten her eine Kontrolle durchzuführen. Und das ist wieder das Neue und Entscheidende an d i e s e m Gesetz,
daß die Kontrolle von oben h e r durch die Vollversammlung und die A u s s c h ü s se erfolgt und von unten her durch die neuerdings in das Gesetz aufgenommenen, p a r i t ä t i s c h z u s a m m e n g e s e t z t e n und von der Vollversammlung der
K a m m e r n zu wählenden I n d u s t r i e - , Handels- und Handwerksräte.
Hier sehen wir eine entscheidende Neuordnung im Sinne der Mitbestimmung der A r b e i t e r und Angestellten. Die B e i r ä t e haben auch mit den
Beiräten alten Stiles nichts m e h r zu tun. Ihre besondere Aufgabe liegt in
der Kontrolle vom einzelnen Unternehmen her; a b e r sie können auch vom
Industriezweig h e r diese Kontrolle durchführen. Wir sehen in d i e s e r Lösung
einen wesentlichen Schritt zur Demokratisierung der Wirtschaft. Diese B e i r ä t e , gewählt von den Vollversammlungen, sind i h r e n Wählern, a b e r auch
i h r e n Betrieben verantwortlich. Wir halten d i e s e s System der Kontrolle in
seiner Wirksamkeit für entscheidender a l s die p a r i t ä t i s c h e Zusammensetzung
der Fachgemeinschaften mit den großen Schwierigkeiten der Fraktionsbildung
nach innen und außen.
Ich v e r w e i s e Sie dabei auf die Tariffähigkeit und den Abschluß der T a r i f v e r t r ä g e selbst. Die Gefahren, die in der nicht p a r i t ä t i s c h e n Z u s a m m e n setzung der Fachgemeinschaften liegen sollen, bestehen nach u n s e r e r Auffassung nicht. In den Fachgemeinschaften sind die Unternehmer, und zwar
die P r i v a t u n t e r n e h m e r , nicht allein, auch heute b e r e i t s nicht; denn ihnen gehören auch die Unternehmer der öffentlichen und gemischtwirtschaftlichen
Betriebe an. Ich glaube auch, daß in Zukunft die von uns gewünschte Entwicklung in gemeinwirtschaftlicher Richtung die Zusammensetzung der F a c h g e meinschaften noch s t ä r k e r in Richtung der öffentlichen I n t e r e s s e n ändern
wird. Die Fachgemeinschaften sind heute schon nicht und noch viel weniger
in Zukunft eine Angelegenheit der P r i v a t w i r t s c h a f t .
Das W i r t s c h a f t s k a m m e r g e s e t z in seiner heutigen Konstruktion kann
auch über Berlin hinaus angewendet werden. Wir sehen in ihm die Möglichkeit, das Wirtschaften a l s eine Funktion der Gesamtheit dienstbar zu machen,
        
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