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Periodical volume Nr. 68, 13. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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E s ist bei der Gestaltung dieses Gesetzes unser Ziel gewesen, die
F e h l e r a l t e r Wirtschaftsorganisationen zu vermeiden. Denn wir wissen genau, daß damit sich auch die alte Wirtschaftsverfassung wieder einstellen
könnte, eine alte Wirtschaftsverfassung, von der wir aus Erfahrung wissen,
daß sie die Wirt Schaftsfreiheit und die V e r t r a g s f r e i h e i t gefährdet. Wir haben uns durchaus den Grundsatz zu eigen gemacht, daß man vom guten A l ten auch etwas übernehmen soll, aber auch das gute Neue nicht scheuen
darf. U n s e r e Prüfung des W i r t s c h a f t s k a m m e r g e s e t z e s war s e h r genau,
und wir wissen sehr wohl, daß mit diesem Gesetz und auch mit dem b e r e i t s
verabschiedeten Sozialisierungsgesetz das l i b e r a l i s t i s c h e Wirtschaftssys t e m noch nicht so geändert ist, wie wir es wünschen. Aber wir sehen in
diesen beiden Gesetzen den Beginn der so notwendigen sozialistischen K o r r e k t u r e n i m Sinne einer Gemeinwirtschaft.
Wir Sozialdemokraten streben nach u n s e r e m Ziel der sozialistischen
Gesellschaftsordnung. Wir sind aber Realisten genug, zu erkennen, daß
b e s o n d e r s nach u n s e r e m Zusammenbruch der Weg der demokratischen Gesetzgebung und für i h r e P a r t e i e n und i h r e O r g a n i s i e r t e n der Sachverstand
die notwendige Voraussetzung für die Änderung eines Systems ist.
Das W i r t s c h a f t s k a m m e r g e s e t z verlangt in der Durchführung die Anwendung gesunden Menschenverstandes, aber auch des Sachverstandes, und
ich glaube auch, wir in Berlin werden uns darum bemühen m ü s s e n .
In den Ausschußberatungen, aber auch in der Öffentlichkeit wurde der
sozialdemokratischen F r a k t i o n des öfteren entgegengehalten, daß sie in
manchen F r a g e n des W i r t s c h a f t s k a m m e r g e s e t z e s eine unnachgiebige Haltung
gezeigt und umgekehrt in manchen Punkten ihre sozialistische Einstellung
nicht ganz befolgt hätte. Wenn ich m i r die Eingabe des Wirtschaftsverbandes Maschinenbau ansehe und darin l e s e , daß von uns wohl stillschweigend
die b e h ö r d l i c h e r s e i t s gesteuerte Wirtschaft v o r a u s g e s e t z t wird, ohne zu fragen, ob dieses P r i n z i p dem Willen der B e r l i n e r Wirtschaft entsprechen wird,
dann muß ich allerdings dazu feststellen: Wenn wir in d e r Wirtschaftsgesetzgebung die Planwirtschaft und Wirtschaftslenkung v e r a n k e r t sehen wollen,
dann riiöht u m d i e s e r selbst willen, sondern weil wir überzeugt sind, daß
nur durch diese eine Steuerung des Wirtschaftsaufbaues möglich ist.
Wir leben heute in Zeiten des Mangels, und aus dieser Tatsache folgt
die Notwendigkeit der Bewirtschaftung und damit der Planung, Wir können
nicht darauf verzichten, die G e w e r b e e r l a u b n i s s e , die Dringlichkeiten und die
erforderlichen Schwerpunktebildungen in der Produktion entsprechend uns e r e n Aufbaubedürfnissen zu s t e u e r n und zu lenken. Wir sind auch nicht g e gen V e r t r a g s f r e i h e i t als. solche. Aber wir sind gegen die Änderung der V e r t r a g s f r e i h e i t dort, wo wir aus u n s e r e r Erfahrung h e r a u s überzeugt sind,
daß sie dazu benutzt wurde, die Wirtschaftsfreiheit zu beseitigen.
Zu Gegensätzlichkeiten kam es b e s o n d e r s in der F r a g e der F a c h g e meinschaften. E s wurde uns hier die Durchbrechung des P r i n z i p s der
        
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