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Periodical volume Nr. 67, 11. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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bitten wir, daß auch in den Bezirken eine Stelle geschaffen wird, bei der
die F r a u e n der H e i m k e h r e r sich Rat und Hilfe holen können, damit, wenn
die Männer heimkommen, sie nicht diese Schwierigkeiten auch noch auf
sich nehmen m ü s s e n , an denen so manche Ehe z e r b r o c h e n ist, weil die
Männer ja genug mit i h r e n eigenen Schwierigkeiten zu tun haben.
Nicht einverstanden e r k l ä r e n kann sich die L i b e r a l - D e m o k r a t i s c h e
P a r t e i mit der Regelung, daß ein Teil der Textilien und Schuhe, die für
u n s e r e Zivilbevölkerung b e s t i m m t sind, den H e i m k e h r e r n zugute kommen
soll; nicht aus dem Grunde, weil wir ihnen das etwa nicht geben wollen,
sondern weil wir der Meinung sind, daß wir dann überhaupt keinem m e h r
gerecht werden. Sehen Sie sich doch einmal u n s e r e B e r l i n e r Männer an.
Der größte Teil läuft doch r e d u z i e r t h e r u m . Wann bekommen sie einen B e zugschein, und wann bekommen sie auf diesen Bezugschein ein Kleidungsstück, einen Anzug, oder Unterkleidung, die sie so dringend benötigen? Nur
diejenigen, die sich schwarz für 6000 RM einen Anzug kaufen können, k o m men heute noch in den Besitz eines Anzugs. Wir bitten auch, daß bei B e rechnung der Textilien, wenn es etwa heißt: 3000 Textilien sind gegeben,
nicht Schlipse mit hinzugerechnet werden; denn für u n s e r e B r e i t e n g r a d e
sind Schlipse nicht die erforderlichen Bekleidungsstücke. Deshalb fordern
wir, daß der Magistrat sich mit den Besatzungsmächten und allen zuständigen St eilen in Verbindung setzt, um aus der laufenden Produktion für uns e r e H e i m k e h r e r ein Sonderkontingent zu beschaffen, das nur den H e i m k e h r e r n
zugute kommen soll, und das nicht der anderen Bevölkerung m i t angerechnet
wird.
Stadtv. F r a u P F L A M M (CDU) : Meine H e r r e n und Damen! Die
CDU schließt sich dem Vorschlag der S P D - F r a k t i o n an, den H e i m k e h r e r ausschuß aufzulösen und dem Magistrat einzugliedern. Die H e i m k e h r e r h a ben ihr volles Recht auf Hilfe, und zwar nicat nur daß sie sich a l s von einer
Wohlfahrtseinrichtung Betreute fühlen, sondern sie haben ihr Recht darauf,
und d i e s e s Recht muß ihnen doch zugestanden werden.
Ein zweites, was wir noch gegen diese H e i m k e h r e r a u s s c h ü s s e anzuführen haben, ist, daß der Heimkehr er au sschuß in manchen Bezirken z i e m lich einseitig gearbeitet hat, und zwar ziemlich einseitig von der SED aufgezogen worden ist. Das i s t z. B. bei uns im Bezirk Wedding der F a l l gewesen.
Wenn H e i m k e h r e r zum B e z i r k s a m t kamen und einen Bezugsschein forderten,
dann i s t es der F a l l gewesen, daß sie direkt vom B e z i r k s a m t in das rote
SED-Haus, S e e s t r a ß e 64, v e r w i e s e n worden sind und dort einen Bezugsschein
bekommen haben. Die sachlichen Unterlagen dafür sind b e r e i t .
F e r n e r i s t i m Lager bei Frankfurt a. O. auch von der SED Propaganda
getrieben worden, und zwar sind die H e i m k e h r e r dort mit Propaganda ü b e r schüttet worden.
Wir stehen auf dem Standpunkt, wenn ein H e i m k e h r e r nach Berlin
kommt, dann soll er als freier Mann zurückkommen und soll das Leben
und die Zustände in Berlin e r s t einmal kennen lernen, ganz unbeeinflußt
von irgendeiner P a r t e i . Wir haben von der CDU aus vor einiger Zeit den
        
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