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Periodical volume Nr. 67, 11. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Da haben Sie jedenfalls schon ein Beispiel.
Aber noch ein w e i t e r e s zu d i e s e r Einstellung. "Wenn H e r r Kreuziger
uns als antisowjetisch bezeichnet hat - es ist ein P a r t e i f r e u n d von m i r g e wesen, auf den er wohl anspielte, und ich e r k l ä r e mich h i e r m i t identisch
mit ihm -, so i s t meine Ansicht dazu: die Besatzungsmächte haben früher
e r k l ä r t , sie kämpfen gegen den Nationalsozialismus in Deutschland und
nicht gegen das deutsche Volk. Mit demselben Recht können wir und auch
die Studentenschaft B e r l i n s e r k l ä r e n : wir sind gegen den Kommunismus.
Das hat gar nichts zu tun mit u n s e r m Verhältnis gegenüber der r u s s i s c h e n
Besatzungsmacht. Ich wehre mich gegen eine Unterstellung in bezug auf
einen P a r t e i f r e u n d in der A r t und Weise, der sich ja hier nicht verteidigen
kann.
Meine Damen und H e r r e n ! Wir haben überhaupt heute wieder gehört,
daß die SED es in d i e s e r Sache wieder wunderbar v e r s t a n d e n hat, der Kernfrage aus dem Wege zu gehen. Sie i s t nämlich geflissentlich ausgewichen
dem Zuruf des Kollegen Neumann, der gefragt hat: Wie stellen Sie sich
denn nun ein zu den Relegierungen d i e s e r Studenten? Darauf hat der Kollege
Mewis schnell sein Konzept zu Ende gelesen.
(Zuruf von der

SED.)

H e r r n Mewis war das zu verzeihen. Ich unterhalte mich auch nicht allein
mit ihm, sondern ich spreche allgemein. Auf den sozialdemokratischen Zuruf wurde von der SED geantwortet, daß die Redezeit abgelaufen sei. Das
i s t ein billiger Versuch der P a r t e i , einer Stellungnahme in d i e s e r F r a g e aus
dem Wege zu gehen.
Es geht ja nicht d a r u m allein, daß Studenten r e l e g i e r t worden sind.
Das i s t früher auch vorgekommen. E s geht v i e l m e h r um die A r t und Weise,
in der das hier geschehen ist. E s handelt sich darum, daß es nicht nur um
die Studenten als P e r s o n geht, sondern um die F r e i h e i t , wie wir sie v e r stehen. E s ist ganz k l a r und unmißverständlich zum Ausdru.ck gekomme«,
daß zwischen dem Freiheitsbegriff, wie Sie ihn v e r s t e h e n und wie die d r e i
demokratischen P a r t e i e n d i e s e s Hauses ihn v e r s t e h e n , eine unüberbrückbar e Kluft besteht. Diese Kluft besteht darin, daß wir mit der F r e i h e i t den
Begriff der Menschlichkeit verbinden, und wir wollen den Begriff der Menschlichkeit der studierenden Jugend B e r l i n s und ganz Deutschlands beibringen.
Und wenn Sie dafür kein Verständnis haben, dann wird es höchste Zeit, daß
wir die Möglichkeit bekommen, in einer sicheren Sphäre der deutschen J u gend die Vorstellung von F r e i h e i t und Menschlichkeit beizubringen.
(Beifall bei der L D P . )
Vorsteher
Swolinzky.

S U H R : Das Wort zur Geschäftsordnung hat H e r r Stadtv.

Stadtv. S W O L I N Z
K Y (SPD) : Meine Damen und H e r r e n !
Ich fürchte, in einer weitergehenden Diskussion werden wir zur Sache
selbst wenig hören. So unerfreuliche Dinge, die mit der Debatte selbst
        
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