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Periodical volume Nr. 67, 11. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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B a r o m e t e r der freiheitlichen Gesinnung eines Volkes. Das muß man besond e r s den Studenten sagen, die in der Schwere der Zeit und gegenüber den
Zwangsmethoden, die gegen sie angewandt werden, oft nicht m e h r die nötige Widerstandskraft aufbringen, um sich in i h r e m Sektor so zu verhalten,
wie wir es von Studenten und von der studentischen F r e i h e i t e r w a r t e n m ü s sen.
Deswegen schon ist dieser Antrag notwendig, eine Hochschule unter
g e s i c h e r t e n Bedingungen und unter einer g e s i c h e r t e n Umgebung zu e r r i c h t e n .
Aber noch ein a n d e r e s muß gesagt werden. Wenn Sie die Haltung der
P r o f e s s o r e n und der Dozenten an der Universität betrachten, so ist darauf
hinzuweisen, daß in früheren Zeiten die P r o f e s s o r e n die e r s t e n waren, die
eingekerkert wurden, nicht, wie es heute leider der F a l l ist, die e r s t e n ,
die in i h r e r wissenschaftlichen F r e i h e i t zu K o m p r o m i s s e n geneigt sind.
(Sehr richtig bei der LDP und der SPD. )
An der Universität muß m. E. das Verhältnis zwischen Studentenschaft und
Dozentenschaft so sein, daß die Dozenten die Studenten zu neuen Ufern locken,
daß sie ihnen diese neuen Ufer der Forschungsfreiheit, der wissenschaftlichen und der k ü n s t l e r i s c h e n F r e i h e i t nicht durch irgendwelche Dogmen oder,
sagen wir, durch irgendwelche Verordnungen, die ihnen von oben h e r a b v o r gesetzt werden, v e r s p e r r e n . Ich bin der Ansicht, daß allerdings auf die Dauer
eine d e r a r t i g e Methode auf Seiten der Dozentenschaft, sofern sie besteht,
nicht möglich sein wird, da der freiheitliche Geist der Studenten darüber
hinweggehen wird.
Wenn wir uns aber nun die sehr e r n s t e n Dinge ansehen, die mit der
Verhaftung von Studenten zu tun haben, und wenn wir daran denken, welche
Schreckenszeiten in denawölf J a h r e n , in den Konzentrationslagern usw. hint e r uns liegen, dann erhebt sich doch die unbedingte F o r d e r u n g , daß wir uns e r e Jugend davor schützen m ü s s e n , die gleichen Qualen und die gleichen
Drangsale durchzumachen, die schon einmal die Jugend, und zwar der b e s t e
Teil der Jugend hat durchmachen m ü s s e n . Wir können es uns in u n s e r e r heutigen Situation nicht erlauben, einfach diese Jugend a l s F r e i w i l d irgendwelchen Mächten preiszugeben, die auf jeden F a l l und um jeden P r e i s in Deutschland zur H e r r s c h a f t kommen wollen.
(Zustimmung bei der LDP und bei der SPD. Sehr richtig! bei der SED.)
Ich freue mich, daß auch auf d i e s e r Seite des Hauses Einmütigkeit darüber
besteht. Ich glaube nur, daß wir die Dinge gegenteilig sehen.
(Zurufe von der SED.)
Wenn wir uns die p r a k t i s c h e n Möglichkeiten überlegen, die dazu gegeben
sind, so m ü s s e n wir vor allem folgendes fordern. Mit der Auflösung des
preußischen Staates sind ja die preußischen Dinge, die früher in Berlin dem
preußischen Staat gehörten, auf den Magistrat von Berlin übergegangen. E s
ist eigentlich überhaupt nicht zu v e r s t e h e n , w a r u m die Universität, die ja
        
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