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Periodical volume Nr. 67, 11. Mai 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Diesen Anforderungen i s t die B e r l i n e r Universität in keiner "Weise
gewachsen, Sie hat ihren Kredit v e r l o r e n . Es kann niemand von ihr e r warten, daß sich demokratische Persönlichkeiten in ihr entwickeln dort,
wo nur der Befehl und der Zwang h e r r s c h t . Wir sehen uns deshalb gezwungen zu verlangen, eine neue Universität zu gründen, in der freie Menschen
sich entfalten können.
(Zurufe. )
Wir sehen die ungeheuren Schwierigkeiten, die sich der Schaffung einer
freien Universität entgegenstellen. Aber wenn der Geist und der F r e i h e i t s drang unter Studenten und P r o f e s s o r e n wirklich s t a r k ist, dann werden alle
m a t e r i e l l e n Schwierigkeiten überwunden werden. Ich bitte Sie deshalb, den
Antrag der Sozialdemokratischen P a r t e i zu unterstützen in dem verlangt
wird:
Der Magistrat wird beauftragt, sofort alle Maßnahmen zur Errichtung
einer freien Hochschule zu ergreifen, an der F r e i h e i t und Unabhängigkeit der Wissenschaft und L e h r e und eine demokratische Haltung der
Studentenschaft gewährleistet ist.
(Beifall bei der SPD.)
Stadtv. L A N D S B E R G (CDU) : Meine Damen und H e r r e n ! Die
Berliner Stadtverordnetenversammlung hat in den letzten fünfviertel J a h r e n
so häufig Veranlassung gehabt, sich mit der B e r l i n e r Universität zu beschäftigen. Das e r s t e Mal war e s , wenn ich mich recht e r i n n e r e , vor fünfviertel
J a h r e n , als Studenten der B e r l i n e r Universität von deutschen Polizeiorganen
verhaftet wurden, ohne daß b i s zum heutigen Tage bekannt geworden ist, was
aus diesen Studenten geworden ist. Wir haben zum anderen Veranlassung g e h a b t , als wir bei den Etatberatungen im Sommer und im Herbst des J a h r e s
1947 hier miteinander die Dinge der Berliner Universität i m Rahmen des H a u s haltsplans für die Volksbildungsveranstaltungen b e s p r a c h e n . Damals hat d i e ses Haus h i e r , wenn ich mich r e c h t entsinne, einstimmig die F o r d e r u n g aufgestellt - aber ich kann mich i r r e n , vielleicht war es nur eine ganz große
Mehrheit, ich weiß es aus dem Gedächtnis nicht m e h r so genau -, daß der
Magistrat v e r s u c h e n solle, auf die Leitung der Universität Einfluß zu nehmen
zu versuchen, daß die alte F r i e d r i c h - W i l h e l m - U n i v e r s i t ä t , die einen anderen
Namen noch nicht hat, daß diese B e r l i n e r Universität g e w i s s e r m a ß e n unter
das Kondominat der Zentralverwaltung und des M a g i s t r a t s gestellt würde. Die
Mehrheit des Hauses war damals b e r e i t - wir haben darüber im Hauptausschuß
sehr eingehend gesprochen -, erhebliche Geldmittel aus dem städtischen Fonds
zur Verfügung zu stellen, um die B e r l i n e r Universität so auszugestalten,
wie es uns richtig erscheint.
Worauf ist nun der Antrag begründet, den die sozialdemokratische:
F r a k t i o n heute dem Hause vorgelegt hat? E s i s t kein Zweifel, daß von Seiten der Zentralverwaltung an vielen Stellen, nicht überall, aber an vielen
Stellen v e r s u c h t worden ist, eine gewisse Einseitigkeit der Richtung zu p r o pagieren. Aus dem jetzt vorliegenden Vorlesungsverzeichnis für das S o m m e r s e m e s t e r dieses J a h r e s geht h e r v o r , daß eine Pflichtvorlesung besteht für
Angehörige der Medizinischen Fakultät, der Philosophischen Fakultät, der
        
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