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Periodical volume Nr. 66, 29. April 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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von der Wirtschaftskommission, was halten Sie von den Z e n t r a l v e r w a l tungen in der-Ostzone? Sind das nicht auch Einrichtungen, die man geschaffen hat, um das Wirtschaftsleben irgendwie in Gang zu halten? Glauben Sie
denn, daß man im Westen a l l e s stehen und liegen l a s s e n soll, daß man die
Bevölkerung verhungern, die A r b e i t e r a r b e i t s l o s werden l a s s e n soll, nur
weil man nicht b e r e i t ist, im Westen die Wirtschaft nach kommunistischen
Methoden umzugestalten? Das glauben Sie doch selber nicht. Aber Sie wenden sich dagegen, weil das ein billiges Mittel I h r e r Propaganda ist. Wir
wollen nicht v e r g e s s e n , daß in Ostdeutschland eine unendliche Menge von
T a t s a c h e n vollzogen i s t , daß wir eine wirtschaftliche Strukturwandlung
auf .politischem, wirtschaftlichooa und kulturellem Gebiet erleben, die weit
über das hinausgeht, was in Westdeutschland geschehen ist. Wenn hier davon gesprochen wird, daß der Westen der Spalter sei, so kann man nur s a gen: die Spalter sitzen genauso i m Osten; denn hier hat man auch die Hand
dazu geboten, d e r a r t i g e Dinge mitzumachen. Warum k r i t i s i e r e n Sie i m m e r
nur den Gegner, w a r u m sehen Sie nicht den Balken im eigenen Auge?
Meine Damen und H e r r e n ! Wir bekennen uns zu dem Antrag, der hier
gestellt worden ist, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil er F o r d e r u n gen enthält, von denen wir glauben, daß sie i m gegebenen Zeitpunkt erneut
in die Öffentlichkeit hineingetragen werden m ü s s e n . Wir werden deshalb
d i e s e m Antrage u n s e r e Zustimmung geben, genauso, wie wir dem zweiten
Antrag z u s t i m m e n werden, der dahin geht, daß .der Magistrat aufgefordert
wird, in seinen Dienststellen nicht Maßnahmen zuzulassen, die für die Unt e r s c h r i f t e n s a m m l u n g des sogenannten Volkskongresses eingeleitet werden.
Wir sind der Meinung, daß die Stellen des M a g i s t r a t s nicht zu politischen
Zwecken d i e s e r oder j e n e r A r t mißbraucht werden sollen. Ich möchte die
H e r r e n von der SED nur einmal fragen, was sie tun würden, wenn die CDU
oder die LDP oder die SPD oder die UGO oder wer auch i m m e r etwas Ähnliches machen würde, wenn sie in Dienststellen, die maßgebend von der
SED-Seite b e s e t z t sind, eine Unterschriftensammlung durchführen wollte.
Meine H e r r e n von der SED, Sie würden die e r s t e n sein, die das unter allen
Umständen v e r h i n d e r n und sagen würden: das hat damit nichts zu tun. Also
wir sind der Meinung, daß d i e s e r zweite Antrag durchaus seine Berechtigung
hat, einfach aus dem Gesichtspunkt h e r a u s , daß die Verwaltung von solchen
Dingen freizuhalten ist und daß wir nicht einer Angelegenheit Vorschub l e i sten dürfen, die nicht einem ehrlichen Ziel dient, dem Ziel, das wir mit
u n s e r e m Antrag verfolgen, sondern die nur dem einen Wunsche entspringt,
etwas zu tun. um damit die eigentliche Absicht, nämlich die Verhinderung
der Schaffung eines einheitlichen Deutschlands, zu v e r s c h l e i e r n bzw. die Möglichkeit d«r Schaffung eines ausschließlich kommunistischen Deutschlands
aufrechtzuerhalten,
Wir werden deshalb beiden Anträgen u n s e r e Zustimmung geben.
(Bravo! bei der L D P . )
Stadtv. E V E N (CDU) (zur Geschäftsordnung) : Meine Damen und
H e r r e n ! E s war v e r a b r e d e t , daß die heutige Sitzung nur bis 6 Uhr dauern
sollte. Da wir a b e r Wert darauf legen, daß die beiden Anträge noch heilte
        
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