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Periodical volume Nr. 66, 29. April 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Meine Damen und H e r r e n ! Wir haben weiter in u n s e r e m Antrag festgelegt, daß die Stadtverordnetenversammlung einen sozialen F o r t s c h r i t t und
einen gerechten Ausgleich wünscht. Wir haben weiterhin festgelegt, daß die
Stadtverordnetenversammlung F r e i h e i t und Gerechtigkeit in Berlin wünscht.
Wir haben weiterhin festgelegt, daß wir die Aufhebung von Zonengrenzen und
Sektorenschranken fordern, und wir haben weiterhin gefordert, daß für ganz
Deutschland die Voraussetzungen zur Durchführung unbeeinflußter, f r e i e r
Wahlen zu einer deutschen Nationalversammlung geschaffen werden sollen,
und wir fordern einen baldigen F r i e d e n für Deutschland.
Das sind sehr k l a r e Forderungen, und es läßt einen i m m e r h i n v e r • ! wundern, daß mit d e r a r t i g schweren Argumenten gegen diese Forderungen
• vorgegangen wird. H e r r Mewis glaubte, daß d i e s e r Antrag e r s t einmal
einem Ausschuß zur weiteren Beratung vorgelegt werden muß. Ich muß mich
wundern, daß er sich hier nicht vorbehaltlos zu diesen Forderungen bekennen
;kann„ Das ist wirklich eine der Überraschungen, die wir hier erlebten. Es
ist doch in der Theorie a l l e s getan worden, daß Sie i m m e r wieder e r k l ä r e n ,
Sie sind für die Einheit, und Sie sind für den gerechten F r i e d e n . Sie haben
gerade m e i n e m Fraktionskollegen Swolinzky gegenüber e r k l ä r t , daß er Unwahrheiten über den B r ü s s e l e r Kongreß 1935 gesagt hat. Ich stelle fest, daß
Togliatti als V e r t r e t e r der Komintern damals die F o r d e r u n g für die V e r einigung a l l e r gewaltsam abgetrennten Volksteile in einem freien Deutschland aufgestellt hat. Ja, er ging damals noch weiter und meinte, man könne
die ganz konkrete Losung der Liquidierung des polnischen K o r r i d o r s aufstellen. Warum sind Sie heute so bescheiden in Ihren F o r d e r u n g e n ? Warum
reden Sie nicht davon?
Ich habe am 18. März b e r e i t s auf eine andere Äußerung der Kommunis tischen P a r t e i hingewiesen. Ich habe damals vor dem Reichstag schon aus
dem Aufruf des Zentralkomitees der Kommunistischen P a r t e i Deutschlands
v o r g e t r a g e n . Dort heißt e s :
Nur wir Kommunisten kämpfen sowohl gegen den Young-Plan als
auch gegen den V e r s a i l l e r Raubfrieden, den Ausgangspunkt der
Versklavung a l l e r Werktätigen Deutschlands. Wir Kommunisten
sind gegen jede Leistung von Reparationszahlungen, gegen jede
Bezahlung internationaler Schulden.
u .'.

(Hört! Hört!)
Wir e r k l ä r e n feierlich vor allen Völkern, vor allen Regierungen
und Kapitalisten des Auslandes, daß wir im F a l l e u n s e r e r Machtergreifung alle sich aus dem V e r s a i l l e r F r i e d e n ergebenden V e r pflichtungen für null und nichtig e r k l ä r e n werden, daß wir keinen
Pfennig Zinszahlung für die i m p e r i a l i s t i s c h e n Anleihen und K r e dite und Kapitalanlagen in ganz Deutschland leisten werden.

's .'
.. •

•

(Hört! Hört!)

»•

Und, meine Damen und H e r r e n , für den gerechten F r i e d e n haben Sie ja dam a l s auch etwas gesagt. In diesem Aufruf des Zentralkomitees der Kommunistischen P a r t e i vom 24. August 1930 heißt es zu dem gerechten F r i e d e n :
        
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