Path:
Periodical volume Nr. 53, 15. Januar 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

64

53

Aber es ist noch etwas a n d e r e s zu beachten. Wenn dieses W a r e n v e r k e h r sgesetz ausdrücklich sagt, daß nicht nur die Zustimmung des Mag i s t r a t s für die allgemein verbindlichen Anordnungen erforderlich ist,
sondern vor allen Dingen auch die Mitwirkung der Wirtschaftskammer,
dann haben wir ja doch das, was an Sachverstand nur beigebracht werden
kann, damit die Dinge möglichst vernünftig werden. Darum handelt es
sich doch. Aber man überlege sich: wenn ich dem lebensnotwendigen B e darf m e h r dienen will, so kann ich das nur, wenn ich überall da, wo Hortungen vorgenommen worden sind, diese Hortungen auflösen kann, wenn
ich überall Waren und Rohstoffe, die in falscher Hand sind, aus d i e s e r falschen Hand h e r a u s n e h m e n darf, wenn ich in gar keiner Weise bei der E r füllung des lebensnotwendigen Bedarfes beschränkt bin, a l l e s in Anspruch
zu nehmen, was dazu geeignet ist. Dann e r s t bin ich in der Lage, meine
Aufgabe zu erfüllen, und allein deshalb, weil ich dann e r s t in der Lage bin,
meine Aufgabe zu erfüllen, heißt e s : Waren a l l e r Art, aus keinem andern
Grunde.
Nun frage ich Sie aber, meine H e r r e n : Es liegt m i r a u ß e r o r d e n t lich viel daran, eine möglichst breite B a s i s für ein d e r a r t i g e s Gesetz zu
haben. E s liegt m i r nichts daran, mit d i e s e r breiten Basis einen guten Eindruck zu machen. Nein, es handelt sich hier um Leben und Sterben. E s handelt sich darum, daß der einzelne Mensch, der sich heute in der Müllabfuhr
einzusetzen hat, der seine Arbeit in der Bewag, an den Kesseln oder an den
Mahlanlagen zu v e r r i c h t e n hat, sie in hingebender Weise vollzieht, weil die
Leute nicht m e h r in der Lage sind, arbeiten zu können. Wir m ü s s e n das A l l e r l e t z t e herausholen. Heute entzieht es sich uns, und d a r u m muß ich auf
der ganzen B r e i t e überall da, wo uns Waren begegnen, in der Lage sein,
a l l e s das beschaffen zu können, weil die allgemeine Not so groß ist.
Es läßt sich darüber reden. Was liegt daran, wenn man ein Wort
verändert?
r
(Andauernde Unruhe. - Glocke des V o r s t e h e r s . )
Vor st. -Stellv. G E S C H K E : Einen Augenblick, H e r r Stadtrat! Meine Damen und H e r r e n ! Ich bitte um g r ö ß e r e Ruhe!
S t a d t r a t K L I N G E L H Ö F E R : Aber ich frage Sie, meine
Damen und H e r r e n : Was liegt denn daran, daß man ein Wort v e r ä n d e r t ,
wenn es in der Sache darauf ankommt, daß der Zweck erfüllt wird, und
wenn es gar nicht möglich ist, daß ich den lebensnotwendigen Bedarf, auf
den es m i r in Deutschland ankommt, a n d e r s befriedigen kann, als daß ich
alle Waren e r f a s s e ? Wir können uns natürlich ohne w e i t e r e s darauf einlassen, und vielleicht ist das eine Brücke, weil ich die Basis als möglichst
b r e i t begrüßen möchte, eine Brücke insofern, a l s man sagt: alle Rohstoffe
und Waren. Wir haben das im Westen, und wir haben es auch in der Sowj e t z o n e . In allen Fällen heißt es da: alle Rohstoffe und Waren. Ich wollte
es einfacher machen und wollte sagen: Waren a l l e r Art. Das ist der Unterschied. E s liegt m i r wirklich nicht an einem Wort. Wenn das Haus dazu
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.