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Periodical volume Nr. 66, 29. April 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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anzusehen sind, so zeugt das nur davon, daß die betreffenden H e r r e n , die
solche Behauptungen aufstellen, von den betrieblichen Verhältnissen nicht
die mindeste Ahnung haben. Wie kann ich die eine Baustelle als einen s e l b ständigen B e t r i e b s t e i l ansehen, den ich gesondert von dem Ganzen a b t r e n nen und verwalten kann? Dann muß ich die F i r m a a u s e i n a n d e r r e i ß e n und ein
neues Unternehmen schaffen. Aber ich kann nicht von einem Betrieb, der an
und für sich als Ganzes besteht oder auch a l s Ganzes unter Treuhandverwaltung steht oder unter Gesetz 52 fällt, nun auf einmal sagen: die T e i l e , die
hier sind, stehen unter Nr. 124. Aber sei dem, wie es sei, es ist nicht entscheidend, hier nun eine Rechtsbelehrung in d i e s e r Beziehung vorzunehmen.
Dazu sind a n d e r e Stellen notwendig.
Ich muß mich aber dagegen verwahren, daß von seiten der SED Veranlassung genommen wird, hier den Männern, die in dieser F i r m a tätig sind,
Sabotageabsichten zu u n t e r s t e l l e n . E s ist von m i r an keiner Stelle zum A u s druck gebracht worden, - H e r r Stadtv. Swolinzky hat das auch b e r e i t s b e tont -, daß hier irgendeine Drohung ausgesprochen worden ist. Gedroht wurde
höchstens von der anderen Seite, aber nicht von seiten d i e s e r Baufirma. Diese
Baufirma hat im Gegenteil - und ich darf zum Beweis h i e r aus einem Brief,
der an die b r i t i s c h e M i l i t ä r r e g i e r u n g gerichtet ist, d r e i Sätze v e r l e s e n - s o fort, nachdem sich v o r g e s t e r n und g e s t e r n die Dinge ereigneten, um E n t s c h e i dung gebeten:

;

Wird es der Bauunion gestattet, beim Ausfall von Pumpen R e servepumpen und E r s a t z t e i l e aus dem b r i t i s c h e n bzw. a m e r i k a nischen Sektor in den sowjetischen Sektor zu bringen? Soll von
der Bauunion die Arbeit als Notstandsarbeit solange weitergeführt
werden, bis die akute Gefahr beseitigt, d.h. die Wand- und Tunneldecke wieder geschlossen i s t ? F ü r den augenblicklichen Bauzustand usw.

Sie sehen a l s o , daß seiten,s der F i r m a alles geschehen ist, um diese Notlage
abzuwenden und um eine Gefahr für die B e r l i n e r Bevölkerung zu vermeiden.
E s ist e^ne absolute Verdrehung der Tatsachen, wenn diese Gelegenheit b e nutzt wird, h i e r nun wieder gegen F i r m e n und gegen P r i v a t b e t r i e b e vom Leder
zu ziehen. Ich bin a b e r überzeugt, daß die H e r r e n der SED - und auch H e r r
Rumpf hat ja d i e s e s Material - genau über die Verhältnisse Bescheid wissen.
Aber es liegt den H e r r e n nicht daran, der Wahrheit die E h r e zu geben, sondern es liegt daran, jede Gelegenheit zu benutzen, um eine politische Hetze
d a r a u s zu machen. Ich glaube, es i s t notwendig, das in a l l e r K l a r h e i t h i e r
einmal festzustellen. E s geht nicht um die F r a g e , ob die Bauunion die P u m pen weiter in Betrieb halten kann oder nicht, sondern darum, ob die b r i t i sche M i l i t ä r r e g i e r u n g , die diesen Betrieb unter Treuhandverwaltung hat, b e r e i t ist, nachdem hier eigenmächtig in diese Dinge eingegriffen ist, weiterhin
M a t e r i a l zur Verfügung zu stellen oder das nicht zu tun. Das i s t der K e r n punkt, um den es hier geht. E s ist nicht eine Angelegenheit, die Veranlassung
geben könnte, eine neue und vollkommen unsachliche, aber leider Gottes i m m e r m e h r üblich werdende politische Hetze zu betreiben.
(Beifall bei der LDP. )
        
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