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Periodical volume Nr. 73, 19. Juni 1948, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1948

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Stadtv. B A R T H E L M A N N (SPD) : Meine Damen und H e r r e n !
Wohl selten hat eine Nachricht die B e r l i n e r Sportler so beunruhigt vi e die
Nachricht, daß die Bootshäuser in Grünau, R e g a t t a s t r a ß e , beschlagnahmt
werden sollen. Sie haben heute auf I h r e m P l a t z eine Eingabe der Spartenleitung Rudern, aus der Sie entnehmen können, daß von den 63 vor dem
Kriege vorhandenen Bootshäusern an der O b e r s p r e e und Dahme nur noch
20 Bootshäuser dem Rudersport erhalten geblieben sind, die den Krieg
ü b e r d a u e r t haben. Sieben dieser Bootshäuser stehen dem R u d e r s p o r t nicht
zur Verfügung, sondern werden von anderen Stellen in Benutzung genommen. Von den restlichen 13 Bootshäusern sollen nach dem Befehl, der gegeben worden ist, fünf Bootshäuser erneut beschlagnahmt werden.
Die P r e s s e in Berlin hat sich mit d i e s e r Angelegenheit ausgebiebig
beschäftigt, und es war sehr interessant, diese Notizen zu verfolgen, je
nach der Parteirichtung dieser Zeitungen. Die Bootshäuser, die dort in
Grünau jetzt beschlagnahmt worden sind, sind nicht unbeschädigt über den
Krieg hinausgekommen, sie waren zum Teil z e r s t ö r t . Die kommunalen
Sportler, die dort die Bootshäuser in Benutzung hatten, haben die Kosten
aufgewan dt und viel eigene Arbeit hineingesteckt, um diese Bootshäuser
wieder benutzbar zu machen. So hat z. B. die Gruppe Grünau 3 des kommunalen R u d e r s p o r t s 15 000 RM aufgewandt, um das Bootshaus wieder in Ordnung zu bekommen.
Meine Damen und H e r r e n ! Wenn diese Bootshäuser dem B e r l i n e r Rud e r s p o r t entzogen werden, dann ist bezeichnend, wie manche Leute in B e r lin sich zu dieser Angelegenheit einstellen. Die I t Berliner Zeitung" hat z. B.
eine Notiz gebracht, in der es heißt: l t Erholungsheim statt Klubhaus. " Wie
sieht es damit aus? Man will aus diesen Bootshäusern Erholungsheime m a chen, und zwar Erholungsheime für die B e r l i n e r A r b e i t e r im r u s s i s c h e n Sektor, die A r b e i t e r in den Berliner s e q u e s t r i e r t e n Betrieben. Nun, ich muß s a gen: Erholungsheime zu schaffen, i s t sehr gut. Aber einer Schicht der a r b e i tenden Menschen Erholungsheime wegzunehmen, um sie einer anderen Schicht
zu geben, ist sehr schlecht, ist nicht gut. E s w ä r e b e s s e r , wenn man an die
Neuschaffung von Räumen ginge, wenn man neue F e r i e n h e i m e schaffen könnte.
Die dortigen Bootshäuser werden von dem kommunalen R u d e r s p o r t notwendig
gebraucht. Ich denke daran, daß der Körperbehindertensport auf u n s e r e A n r e gung hin in Angriff genommen worden ist. Wir stellen fest, daß sehr viele
Menschen die körperbehindert sind, Gebrauch von den Kursen machen, die
vom Hauptsportamt für die Körperbehinderten eingerichtet worden sind. Diese
Kurse können nicht abgehalten werden, wenn die dortigen Bootshäuser der
Benutzung entzogen werden.
Genau so sieht es aus, wenn wir an das Schülerrudern denken, wenn
wir an den Nachwuchs von Ruderschülern denken, wenn wir den R u d e r s c h ü l e r n
den Wert des R u d e r s p o r t s nahebringen wollen. Das i s t nicht möglich, wenn
wir die Heime nicht haben.
Nun ist von der S E D - P r e s s e gesagt worden, daß man Erholungsheime
schaffen muß und daß man die R e p r ä s e n t a t i o n s r ä u m e , die dort den S p o r t l e r n
        
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