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Periodical volume Nr. 22, 27. März 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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auszuarbeiten, die als K r i e g s v e r b r e c h e r und Naziaktivisten zu gelten haben.
E s heißt i m A r t i k ä l 2 des Ihnen vorliegenden Beschlußes einer Verordnung:
Als K r i e g s v e r b r e c h e r und Naziaktivisten gelten diejenigen P e r s o n e n ,
die unter die in der Direktive Nr. 38 vom 12. Oktober 1946 des
Alliierten Kontrollrates in Deutschland bezeichneten Gruppen fallen.
Es sind dies die im Abschnitt 2 Artikel 2 und 3 als Hauptschuldige
oder Belastete (Aktivisten, Militaristen und Nutznießer) bezeichneten
Personen.
Den Wortlaut d i e s e r Direktive Nr. 38 des Kontrollrats finden Sie i m V e r o r d nungblatt von G r o ß - B e r l i n Nr. 3 vom 25. F e b r u a r 1947.
Der Artikel 1 besagt, daß das gesamte Vermögen von K r i e g s v e r b r e c h e r n und Naziaktivisten, soweit es nicht b e r e i t s durch das Gesetz zur
Überführung von Konzernen und sonstigen wirtschaftlichen Unternehmen in
Gemeineigentum vom 13. F e b r . 1947 erfaßt worden ist, zu Gunsten des
Deutschen Volkes entschädigungslos eingezogen wird. Demgegenüber steht
im Abschnitt 2 A r t i k e l 8 und 9 der Direktive 38 unter "Sühnemaßnahmen
gegen Hauptschuldige und B e l a s t e t e " :
Ihr Vermögen kann eingezogen werden.
H i e r geht der Ihnen vorliegende Beschluß des A u s s c h u s s e s weiter, a l s in
der Direktive vorgesehen ist. Es wird h i e r weiter im Artikel 1 des Entwurfs
einer Verordnung gesagt, daß bis zur gesamtdeutschen Regelung die Stadt
Berlin die t r e u h ä n d e r i s c h e Verwaltung der eingezogenen Vermögenswerte
übernimmt. Auch hier ist wie i m m e r darauf Bedacht genommen, daß die
Regelung im Zusammenhang mit einer gesamtdeutschen Regelung und mit
den gesamtdeutschen I n t e r e s s e n erfolgt.
Im wesentlichen wird durch die neue Verordnung nur eine in Berlin
geübte P r a x i s bestätigt. Darüber hinaus werden aber auch Bestimmungen
getroffen über die Verwendung der Nazivermögen und über die damit v e r bundene Abwicklung der Treuhandgesellschaften. E s soll auf diese Weise
eine seit langer Zeit schwebende F r a g e endgültig geregelt und in gesetzliche
Bahnen gelenkt werden. Demgemäß besagt der Artikel 3:
Eingezogene Vermögenswerte, die für eine Überführung in Gemeineigentum nicht in Betracht kommen, sollen an Antifaschisten, i n s besondere an Opfer des F a s c h i s m u s und der N ü r n b e r g e r G e s e t z g e bung, oder Totalbescbädigte v e r ä u ß e r t werden.
Zu diesem Punkt liegt ein Abänderungsantrag der CDU vor, der besagt ich glaube, es wird zweckmäßig und notwendig sein, über die Anträge
getrennt abzustimmen -, anstelle der Worte "Unterstützung hilfsbedürftiger Opfer des F a s c h i s m u s " zu setzen "Wiedergutmachung für die
Opfer des F a s c h i s m u s , der Nürnberger Gesetzgebung usw. ".
Die F r a k t i o n der SPD bringt einen Ergänzungsantrag, der zur F e s t stellung des P e r s o n e n k r e i s e s unter § 3 besagt:
ü b e r die Auswahl der Empfänger entscheidet endgültig ein von der
Stadtverordnetenversammlung zu wählender Ausschuß.
        
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