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Periodical volume Nr. 21, 20. März 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Schieben Sie nicht die Schuld auf die Grundschule, Herr Kollege Landsberg. Da muß ich auf die Prüfungen verweisen.
(Stadtv. Landsberg: Die Grundschullehrer geben
doch Gutachten ab!)
Da haben Sie recht, die Grundschullehrer geben Gutachten ab. Wir wissen, wie diese Dinge, diese Gutachten usw. Zustandekommen. Das ist
auch eine Frage des gesellschaftlichen Vorgangs, Herr Kollege Landsberg. Wir wissen, daß beispielsweise - eine hochinteressierte Angelegenheit - im Bezirk Tiergarten der Zugang und Übergang der Schüler aus der Grundschule in die höhere Schule 12 % betrug, im Bezirk
Steglitz dagegen 28%. Ich behaupte, daß die Kinder im Bezirk Tiergarten nicht dümmer sind als die Kinder in Steglitz. Aber in Tiergarten
sitzt ein Sozialist, unser sehr geschätzter Kollege Kopp, der auf unserem Standpunkt steht und sagt: ich lasse nur diejenigen herein, die auch
wirklich begabt sind. Er hat das konsequent durchgeführt, und das Ergebnis waren die 12 % . Und in Steglitz sind die Kinder soviel klüger,
daß der Prozentsatz zweieinhalb mal so groß ist. Jetzt sehen wir, wie
die Dinge Zustandekommen.
(Zuruf von der SED: In Steglitz sitzt doch Herr
Landsberg!)
,
Nein, Herr Kollege Landsberg ist nur der Leiter des Volksbildungsamtes, nicht des Hauptschulamts. Das ist Herr Grigoleit von der LDP.
WSf sehen, wenn wir mal in das Leben der Schulen hineingreifen, daß
diese Prjixis die komischsten Folgerungen ergibt:
(Stadtv. Landsberg: Aber Herr Wildangel, Sie wissen
doch, daß Sie eine einheitliche Prüfungsaufgabe für
ganz Berlin gegeben haben, verschieben Sie doch > • (
die Sache nicht so ungeheuerlich!)
- Herr Kollege Landsberg, ich muß mich auf das entschiedenste dagegen verwahren, daß Sie sagen, ich verschiebe die Sache. Sie mögen
einen sachlichen Einwurf machen, aber wenn Sie mit noch so großem
Stimmaufwand wie in der vorigen Sitzung und heute derartige Dinge
behaupten, so muß ich erklären, daß ich mir das verbitte. Ich habe
hier nichts zu verschieben, ich bringe die Tatsachen. Denn entschuldigen Sie, wenn Sie das nicht wissen sollten - Sie sind doch ein alter Lehrey-: wenn ich auch dieselbe Prüfungsaufgabe habe, ist es eine bekannte Tatsache, daß mit denselben Prüfungsarbeiten an verschiedenen Schulen verschiedene Resultate erzielt werden. Wenn Sie das noch nicht wissen, wollten Sie nicht. Ich verschiebe nicht, Sie verschieben die Diskussion, nicht ich.
(Stadtv. Landsberg: Die verschiedenen Resultate sehen
wir doch!)
        
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