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Periodical volume Nr. 21, 20. März 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Sitzung a l s Leichtfertigkeit i r o n i s i e r t . W a r u m sage ich das a l l e s ? Weil
auch die Anträge, die jetzt zur Sprache kommen, reine Agitationsanträge
darstellen.
Zum Antrag selbst: Diese Leihgebühren sind d e r a r t i g gering
daß eine Diskussion d a r ü b e r gar nicht notwendig ist. Wenn die A n t r a g steller Auskünfte bei einem zuständigen Bergungsamt eingeholt hätten
wären sie schon dort i n f o r m i e r t worden, daß Unbemittelte, Sozialrent
ner usw. sowieso k e i n e r l e i Mietgebühren zu zahlen haben.
(Zuruf von der SED: Nicht wahr!)
Die Taxen werden so festgesetzt, daß der P r e i s von 1938/39
bewertet wird. Dann wird der G e b r a u c h s w e r t abgezogen, und von dem
r e s t l i c h e n geringen Wert wird eine Mietgebühr von 5% erhoben. Das
ist also ein außerordentlich geringfügiger B e t r a g .
Auf Grund von Rücksprachen mit den B e r g u n g s - und Sozialämt e r n ergibt sich, daß, wenn bei einem Bergungsamt ein e n t s p r e c h e n d e r
Antrag des Sozialamtes vorliegt, die Mietgebühr für diesen Sozialempfänger nicht erhoben wird. Damit w ä r e an sich Punkt 1 wegen G e r i n g fügigkeit kaum noch zu diskutieren.
Zum zweiten Absatz und dem Antrag auf Einfügung der Worte
•'herrenlose Möbel" stehen wir auf dem Standpunkt, daß, solange es noch
keine F r e i z ü g i g k e i t in Deutschland gibt, eine einwandfreie Klarstellung
des h e r r e n l o s e n Gutes nicht ohne w e i t e r e s möglich ist.' Soweit es sich
um Möbel von Naziaktivisten handelt, " fallen sie j a unter das Gesetz SZ
und entziehen sich sowieso u n s e r e r Verwaltung. Wir stehen auf dem Stand
punkt, daß diese Möbel, die nun in der Obhut des M a g i s t r a t s sind, ihm
auch weiterhin zur Betreuung verbleiben, bis eine absolute Freizügigkeit
den endgültigen Begriff " h e r r e n l o s " wirklich feststellen kann, und daß
dann der M a g i s t r a t ü b e r diese Sachen entsprechend verfügen kann. Wir
werden diesen Antrag deshalb ablehnen.
Stadtv. Dr. S C H R E I B E R (CDU): Meine sehr geehrten Damen
und H e r r e n ! Der uns vorliegende Antrag beschäftigt sich mit zwei ganz
v e r s c h i e d e n e n Tatbeständen. Der eine Tatbestand ist der, das A u s g e bomten, Opfern des F a s c h i s m u s , Flüchtlingen und ähnlichen Menschen.,
die keinen genügenden H a u s r a t besitzen, h e r r e n l o s e s Gut, das der Mag i s t r a t verwaltet, käuflich ü b e r l a s s e n werden kann, also zu Eigentum
übergeben werden kann. Diesem Antrag s t i m m t die CDU voll zu, weil sie
d e r Meinung ist, daß d e r a r t i g e h e r r e n l o s e B e s i t z t ü m e r möglichst bald
wieder einen Eigentümer finden sollen, und es ist nur berechtigt, daß
diejenigen, die diesen H a u s r a t b e s o n d e r s dringend benötigen dabei b e dacht werden. Wir sind auch durchaus der Meinung, daß dabei die Taxen
für die zu bezahlenden P r e i s e möglichst niedrig gehalten werden sollen,
        
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