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Periodical volume Nr. 17, 20. Februar 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Als zweites wollte ich gerade in bezug auf den hier vorliegenden
Antrag zum Ausdruck bringen, daß die Möglichkeiten, beispielsweise
kommunale L e h r w e r k s t ä t t e n zu schaffen, durchaus vorhanden sind und
auch noch neue geschaffen werden können. Auch die schon bestehenden
sind ja noch aufnahmefähig. E s kommt a b e r vor a l l e m darauf an, diesen L e h r w e r k s t ä t t e n von der Abteilung Wirtschaft z. B. soviel an Material zu geben, daß sie arbeitsfähig sind. Denn wenn sie kein M a t e r i a l
haben, stellen wir uns nur die L e h r w e r k s t ä t t e n voller junger Menschen,
die nicht wissen,was sie tun sollen,und nicht richtig angelernt werden.
Dann v e r l a s s e n sie diese W e r k s t ä t t e n von selbst und gehen auf die S t r a ße.
Zum Schluß möchte ich noch ein Wort sagen, vielleicht in ein
wenig p o l e m i s c h e r F o r m , in ftezug auf die h i e r gefallene Bemerkung:
wir wollen kein Geschlecht von T r ü m m e r f r a u e n . Ich finde, diese B e merkung trifft nicht den Kern der Sache und auch nicht die Lage, in der
wir uns heute befinden. E s ist b e s t i m m t niemandem angenehm, zu sehen,
wie u n s e r e F r a u e n dort mit d e r E n t t r ü m m e r u n g beschäftigt werden. Aber es
ja hier wohl kaum der Ort und die Stunde, um zu untersuchen, wie es zu
d i e s e r Lage gekommen ist. Wichtig ist, daß selbstverständlich die F r a u
auch in den Bauberufen nicht a u s g e s c h a l t e t werden kann und auch nicht
ausgeschaltet werden soll. In welchem Maße sie eingeschaltet wird, ist
selbstverständlich eine a n d e r e F r a g e , und das scheint m i r das Entscheidende zu sein, auch in Bezug auf u n s e r e Berufslenkung in der Zukunft. Die
E l t e r n der Jugendlichen m ü s s e n die Scheu und die Hemmungen überwinden,
i h r e Kinder in die Bauberufe zu schicken. Sie gehen m e i s t e n s davon aus,
daß diese Berufe unangenehm sind, sehr viel Kleidung e r f o r d e r n , daß m a n
in ihnen m e h r Nahrung braucht a l s in anderen Berufen, nicht zuletzt a b e r ,
daß die Bedingungen in diesen Berufen heute außerordentlich schlecht sind.
Ich glaube aber, wir sind alle der Überzeugung, daß die Bauindustrie nicht
nur u n s e r e Schlüsselindustrie sein wird, sondern daß die Stellung des qualifizierten B a u a r b e i t e r s in zwei bis d r e i J a h r e n wieder die sein wird, die
sie im J a h r e 1929 war, d. h. d a j e r die höchsten Löhne haben wird. Wer
also heute seinen Sohn M a u r e r , Z i m m e r m a n n , Ofensetzer, Dachdecker usw.
l e r n e n läßt, der sichert ihm damit die Zukunft und schafft weiter die V o r aussetzungen nicht nur für den Wiederaufbau,sondern gerade für eine B e rufslenkung in d i e s e m außerordentlichen Mangelberuf.
Stadtv. - V o r s t . Dr. SU H R : Wortmeldungen liegen nicht vor. Wir
kommen zur Abstimmung. Es war der Antrag gestellt worden^ den Antrag
81 dem Wirtschaftspolitischen und dem Jugendausschuß zur Beratung zu
überweisen. D i e s e r Antrag i s t zurückgezogen worden. E s liegt nur noch
der Antrag vor, diesen Antrag dem Wirtschaftspolitischen Ausschuß zur
Beratung zu überweisen. Wer dafür ist, daß der Antrag 81,betreffend v e r m e h r t e Ausbildung von Lehrlingen, dem Wirtschaftspolitischen Ausschuß
zur Beratung ü b e r w i e s e n wird, bitte ich das Handzeichen zu geben. - Das
        
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