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Periodical volume Nr. 16, 14. Februar 1947, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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a u s s c h ü s s e Propaganda machten. Aber die Anwesenden Waren zu 95 %
S E D - F r a u e n . Warum, weiß ich nicht. Ich weiß nur von einer m e i n e r
Kolleginnen, daß sie die Einladung zu d i e s e r Frauenbesprechung., die
auch heute wieder angeführt wird und von der man sagt, daß die anwesenden F r a u e n sich abgesehen von 50 Stimmen r e s t l o s für das Weit e r b e s t e h e n der F r a u e n a u s s c h ü s s e ausgesprochen haben, e r s t eine halbe
Stunde v o r h e r erhalten hat. So geht es nicht weiter. Wir sind uns wohl
alle d a r ü b e r einig, daß die F r a u e n s a c h e an und für sich sehr wichtig ist.
Aber was der Referent aus Rußland an dem Montag sagte, daß es nur den
F r a u e n a u s s c h ü s s e n zu verdanken sei, wenn die F r a u e n wichtige Posten
in der Politik, in der Wissenschaft und auch in der Fabrikation in Rußland bekleideten, trifft für Deutschland nicht zu. Wenn F r a u e n tüchtig
sind, dann werden Sie in Deutschland auch ohne die F r a u e n a u s s c h ü s s e
auf diese Posten gelangen; denn u n s e r e H e r r e n achten nicht auf das Geschlecht, sondern auf die Tüchtigkeit.
(Zustimmung bei der CDU. )
In d i e s e m Sinne begrüße ich es, daß die F r a u e n a u s s c h ü s s e nicht m e h r
auf dem einseitigen KPD-Fundament bestehen bleiben sollen, sondern
in einer anderen F o r m gegründet werden.
(Beifall bei der CDU.)
Stadtv. F r a u R E N T M E I S T E R (SED): Meine Damen und H e r r e n !
Ich b e d a u r e sehr, daß ich mich nicht auf das Niveau parteipolitischer Auseinandersetzungen begeben kann. Das gehört nicht zu den Traditionen, die
wir bisher in den F r a u e n a u s s c h ü s s e n gepflogen haben.
(Widerspruch und Zurufe bei der CDU und SPD. )
Ich b e d a u r e es außerordentlich, daß gerade die F r a u e n , die m i t H e r z und
Seele aus allen P a r t e i e n in den F r a u e n a u s s c h ü s s e n an der Arbeit sind,
hier nicht zum Wort zugelassen werden. Ich empfinde es nicht als eine
d e m o k r a t i s c h e Gepflogenheit, daß die F r a u e n aus den verschiedenen P a r t e i en nicht Stellung nehmejr dürfen, sondern daß nur diejenigen hier auftreten,
die nicht gerade zu e^rier guten Zusammen'arbe'it beigetragen haben. Gerade
diese Methoden der Auseinandersetzung haben die helfenden Hände zurückgestoßen; sie sind den F r a u e n in tiefster Seele zuwider*. Die F r a u e n wünschen
von vornherein, ihre ganze Kraft g e m e i n s a m , unabhängig von den P a r t e i e n ,
unabhängig davon, ob sie nun einer P a r t e i angehören oder nicht, einzusetzen.
Der Wille, zusammenzuarbeiten und dem Volke zu helfen, ist bei den F r a u en außerordentlich stark.
G e s t e r n hat der H e r r O b e r b ü r g e r m e i s t e r Dr. Ostrowski hier ein Bild
entwickelt, das in den Ruf an die Welt ausklang: : t Wir können nicht mehr;
r e t t e t u n s ! ' 1 Nun, es kam einem dabei der V e r s ins gedächtnis, wenn man
ihn auf die B e r l i n e r Bevölkerung anwenden wollte: " Auf dem Dache sitzt
ein G r e i s , der sich nicht zu helfen weiß".
(Starke Entrüstung und Rufe: Pfui! bei der SPD und
der CDU. )
        
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