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Periodical volume Nr. 50, 11. Dezember 1947, Ordentliche Sitzung, Bildnr 081000 wurde gelöscht

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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sischen Verbindungsoffiziers im Stadthaus in den Sitzungen d e r einzelnen A u s s c h ü s s e d i e s e s H a u s e s . Ich glaube, wir v e r s t e h e n an einem B e i spiel von vielen, w a r u m F r a u Kay vom e r s t e n Tage i h r e r Tätigkeit an
eine politisch unbeliebte B ü r g e r m e i s t e r i n w a r . In der Zeit zwischen
i h r e r Berufung und i h r e r Wahl hat das B e z i r k s a m t P r e n z l a u e r B e r g 126
ehemalige sogenannte B e z i r k s v o r s t e h e r des B e z i r k s a m t e s , damit sie
nicht beseitigt wurden - sie waren fast alle Mitglieder oder Funktionäre
der KPD -, in/einem sogenannten neu eingerichteten Verwaltungsamt
zusammengezogen. 126 Menschen wurden angestellt und dem B e z i r k s a m t
a l s Belastung aufgegeben für eine Arbeit, die man ungefähr mit einem
bis anderthalb Briefen p r o Tag einzuschätzen hat. F r a u Kay hat d i e s e s
Verwaltung samt selbstverständlich aus Verantwortungsbewußtsein auflösen l a s s e n und hat die 126 KPD- Funktionäre b e d a u e r l i c h e r w e i s e entl a s s e n m ü s s e n . Ich glaube, auch das r e i c h t aus, um zu zeigen, w a r u m
F r a u Kay eine sehr u n b r a u c h b a r e B ü r g e r m e i s t e r i n gewesen i s t .
Meine Damen und H e r r e n ! Ich habe damit schon bezeichnet, was
wir ausdrücken wollen. Nachdem F r a u Kay g e s t e r n eindeutig bewiesen
hat, daß a l l e s , was man ihr zur L a s t legt, nicht zutrifft, suchen wir nach
den wirklichen Gründen, weshalb F r a u Kay beseitigt werden mußte, und
wir finden die Gründe bei einem politischen K e s s e l t r e i b e n . Vor einigen
Tagen, vor der Abberufung der F r a u Kay, fand eine sogenannte M a s s e n v e r s a m m l u n g der SED statt. Ich nehme an, einige von Ihnen haben den B e r i c h t gelesen; er stand in der "Täglichen Rundschau' 1 vom 5. 12. . Die B e schimpfungen, die dort erfolgt sind, e r i n n e r n uns alle an die Tage, ich
möchte einmal sagen, des Mai 1929. E s fehlt nur noch die Unterschrift:
schlagt die Sozialfaschisten, wo ihr sie trefftI Dann haben wir die alte
T o n a r t wieder. Anstatt einen Weg zu suchen, g e m e i n s a m die Arbeit zu tun,
den nachlässigen B e z i r k s r a t Schaumburg zu beauftragen, F r a u Kay nun
effektiv zu unterstützen, wird angeblich eine Massenpsychose entwickelt,
die dazu führen kann, daß eines Tages etwas p a s s i e r t . E s spielt ja keine
R o l l e . Hauptsache: man e r r e i c h t den politischen Zweck d i e s e r Maßnahmen.
Man l e i s t e t die nötige V o r a r b e i t , um sein Ziel zu e r r e i c h e n .
Wir bedauern in d i e s e m Zusammenhang, daß die r u s s i s c h e B e s a t z u n g s macht i m F a l l e Kay nicht m e h r ganz objektiv u r t e i l e n konnte, da sie ja d i e s e r
P a r t e i a m nächsten steht und von i h r e m K e s s e l t r e i b e n unter Umständen auch
beinflußt wird. Wenn man z . B . feststellt, daß der " V o r w ä r t s " nunmehr
g e s t e r n , nachdem F r a u Kay abberufen und Mardus b e r e i t s beseitigt ist, den
d r i t t e n Vorgang behandelt, den Angriff gegen den B ü r g e r m e i s t e r Bapp des
B e z i r k s Mitte, so ist er ebenso gelogen wie alle anderen Angriffe, die
b i s h e r gegen F r a u Kay gerichtet worden sind. Wir haben die Tatsache zu
verzeichnen, daß H e r r B ü r g e r m e i s t e r Bapp heute b e r e i t s zur Kommandantur
geladen i s t .
(Lachen und Zurufe bei der SED.)
        
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