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Periodical volume Nr. 49, 4. Dezember 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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stehen. Hier in B e r l i n geschieht dergleichen nicht, sondern h i e r bezahlt
nach wie vor der Magistrat, d. h. die Steuerzahler, diese V e r s i c h e r u n g s aufsicht über das Versicherungswesen, weil die Verordnung, die die Stadtv e r o r d n e t e n schon im Mai b e s c h l o s s e n haben, noch nicht in Kraft gesetzt
worden ist. E s wird soviel darüber gesprochen, daß man mit der Demok r a t i e in Deutschland noch nicht v o r w ä r t s komme, daß sie noch sehr s t a r k
hinke und noch an vielen Kinderkrankheiten leide. Wenn man das schon sagt
und diese Tatsache u n t e r s t r e i c h t , dann glauben wir, daß es doch wohl r i c h tig wäre, daß in e r s t e r Linie die zur Hütung der Demokratie berufenen
öffentlichen Organe - und das ist außer diesem Hause auch der M a g i s t r a t sich a l l e s angelegen l a s s e n sein sollten, mit den Gesetzen und Verordnungen nicht irgendwie Spielball zu treiben, um sie auf einem anderen Wege
wieder tot zu machen oder für erledigt zu e r k l ä r e n , sondern man soll sich
an die Verfassung halten und die Verordnungen entsprechend der Verfassung
handhaben und in Kraft setzen, damit das Leben in der Wirtschaft keinen i
Schaden e r l e i d e . Wir haben deshalb von uns aus kein Verständnis für diese
Manipulationen, die mit d i e s e r Verordnung, die die Stadtverordnetenversammlung b e s c h l o s s e n hat, gemacht worden sind.
Ich will mich mit der Vorlage des M a g i s t r a t s m a t e r i e l l hier nicht
befassen. E s scheint uns nämlich im wesentlichen heute darauf anzukommen,
daß wir uns mit der verfassungsmäßigen Seite d i e s e r Angelegenheit und mit
der Wahrung des Rechtes dieses Hauses befassen, mit der F r a g e , was mit
seinen B e s c h l ü s s e n zu geschehen hat. Auf eins allerdings l a s s e n Sie mich
hinweisen. In der M a g i s t r a t s v e r o r d n u n g ist der L e i t e r des Aufsichtsamtes
als Angestellter des M a g i s t r a t s bezeichnet worden, und das soll die wesentlichste Veränderung gegenüber dem Beschluß der Stadtverordneten sein. Wir
sehen nicht ein, w a r u m der L e i t e r dieses Aufsichtsamtes vom Magistrat
bestellt und nicht, wie es die Stadtverordnetenversammlung b e s c h l o s s e n
hat, durch die Stadtverordnetenversammlung gewählt werden soll. E s gibt
der Stellung das nötige Gewicht. Es entspricht das der früheren Stellung,
wie sie im Aufsichtsgesetz noch i m m e r v e r a n k e r t ist, und vor allen Dingen
ist das bei anderen Körperschaften - ich e r i n n e r e an die Debatte der vorigen
Sitzung über die W i r t s c h a f t s k a m m e r - ja auch durchaus der F a l l , daß die
Vorsitzenden bzw. P r ä s i d e n t e n solcher K a m m e r n durch die Stadtverordnet e n v e r s a m m l u n g bestellt werden können. E s ist das in d i e s e m Falle u m
so m e h r richtig, a l s , wie ich schon erwähnte, die Versicherungsgesellschaften, die Unternehmungen, durch i h r e B e i t r ä g e die Kosten des V e r s i c h e r u n g s aufsichtsamtes tragen. Infolgedessen hat ja auch wohl die Allgemeinheit,
in d i e s e m F a l l e v e r t r e t e n durch die Stadtverordnetenversammlung, ein
Recht darauf, mit darüber zu stimmen, wer die Leitung d i e s e s A m t e s ü b e r nimmt. Das soll nur m a t e r i e l l zu d i e s e r Sache gesagt sein.
Wir sind der Meinung, daß hier mit dem Hin und Her des Stadtv e r o r d n e t e n b e s c h l u s s e s und der M a g i s t r a t s v e r o r d n u n g e n und der Durchlöcherung - so will ich mich m a l ausdrücken - des Rechtes dieses Haus e s Schluß gemacht werden muß, und haben deshalb den Antrag 555 v o r gelegt, in dem der M a g i s t r a t beauftragt werden soll, den Beschluß der
Stadtverordnetenversammlung vom 29. Mai nunmehr sofort durch seine
        
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