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Periodical volume Nr. 48, 27. November 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Im übrigen ist in d i e s e m Gesetz - das geht aus dem § 9 h e r v o r das Verbot von Arbeitgeberorganisationen klipp und k l a r ausgesprochen.
Wir stehen auf dem Standpunkt, daß in einer Demokratie alle Bevölkerungsteile das Koalitionsrecht haben, nicht nur ein Teil.
(Sehr richtig! bei der L D P . )
Wir stehen keineswegs auf dem Standpunkt, daß dieses Koalitionsrecht
nun nur die Belehrung zum Gegenstand hat. Nein, so bescheiden sind wir
nicht. In der Demokratie haben alle Gruppen der Wirtschaft und der B e völkerung das Recht, sich zusammenzuschließen, u m in diesen Z u s a m m e n s c h l ü s s e n ihre eigenen Angelegenheiten zu ordnen.
(Sehr richtig!

bei der L D P . )

Und wenn man einem T e i l der Wirtschaft, der Bevölkerung dieses Koalit i o n s r e c h t v e r s a g t , dann sind wir damit einverstanden, wenn man es auch
allen anderen u n t e r s a g t . Wenn die Arbeitgeberverbände verboten sind, dann
m ü s s e n auch die Gewerkschaften verboten sein.
(Zuruf links: Das könnte Ihnen so passen!)
Dann führen Sie die Gleichberechtigung ein, wie das in einer Demokratie
üblich ist. Aber ich nehme doch an, daß Sie auf diesem Gebiet vielleicht
e r s t noch die einzelnen Voraussetzungen kennen l e r n e n m ü s s e n . In einer
Demokratie ist Gleichberechtigung eine Notwendigkeit und untrennbar von
dem Begriff der Demokratie.
Gleichberechtigung für alle aber heißt auch Koalitionsrecht für alle,
nicht nur für einen Teil, der dann den anderen Teil unter sein Diktat nehmen
kann.
(Sehr gut! bei der LDP. )
In einer Demokratie lehnen wir die Vergewaltigung eines T e i l s der Bevölkerung durch den anderen Teil ab. Wir fordern, daß in einer Demokratie das
Koalitionsrecht eine Selbstverständlichkeit ist, die allen gewährt wird.
(Bravo! bei der L D P . )
D i e s e r Ausschluß von der Koalitionsmöglichkeit bei A r b e i t g e b e r n
stempelt a b e r d i e s e s Gesetz nach dem § 9 geradezu zu einem Monopolgesetz, und da wir gegen Monopole eine unüberwindliche Abneigung haben,
(hört! hört! bei der SED)
ü b e r t r a g e n wir diese Abneigung auch auf dieses G e s e t z . Monopole wollen
wir abschaffen. - In den § § 6 bis 10 der Satzung der W i r t s c h a f t s k a m m e r
wird die Stellung des P r ä s i d e n t e n u m r i s s e n . Wenn a b e r Selbstverwaltung
bedeutet, daß die Organe der K a m m e r von der K a m m e r selbst, von der
Vollversammlung gewählt werden, wie ist es dann damit zu vereinbaren,
daß d i e s e r P r ä s i d e n t nicht von der Vollversammlung, sondern von dem
P a r l a m e n t , das ja ganz andere Aufgaben hat, gewählt wird? Dieser P r ä s i dent ist ein politischer B e a m t e r des M a g i s t r a t s , und die Aufgaben der
        
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