Path:
Periodical volume Nr. 48, 27. November 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

48

27

große B e t r i e b aus eigener Machtkenntnis schon leistet, muß dem kleinen
durch die K a m m e r nahegebracht werden. Da l a s s e n Sie die Leute doch
auch etwas zu sagen haben. Aber das, was Sie im Aufbau der K a m m e r
h i e r gemacht haben, i s t durchaus geeignet, die m i t t l e r e n und kleinen B e t r i e b e , denen Sie helfen wollen, i h r e Selbständigkeit in s t ä r k s t e m Maße
zu beschneiden.
Aus diesen d r e i Gründen haben wir uns entschlossen, einen eigenen Entwurf aufzustellen.
Was nun die Aufgaben anlangt, meine Damen und H e r r e n , so bin
ich folgender Ansicht. Hier gehen wir vielleicht gar nicht soweit auseinander. Hier stehen die eigenen Aufgaben, die die K a m m e r sich s e l b e r
wählt nach i h r e r eigenen Einsicht in Marktwirtschaft und Gesellschaft, und
es stehen übertragene Aufgaben da, die der Staat überträgt, wurzelhaft e r Boden, aus dem alles aufwachsen muß nach u n s e r e r Meinung: die B e ratung der Unternehmungen über Absichten und Maßnahmen des Staates,
die Beratung des Staates über Leistungsvermögen und Wünsche der U n t e r nehmungen. Und d a r a u s wachsen dann solche Dinge wie Gutachten, B e s t a l lung von Sachverständigen als ständige Gutachter von selber, und es entsteht damit die Voraussetzung dafür, daß eine K a m m e r dem Staate v o r b e reitende Arbeit leisten kann im Warenverkehr z. B. , etwa durch V o r b e r e i tung unvermeidlicher Kontingentierungen und Rationierungen, Einwirkung
auf P r o d u k t i o n s p r o g r a m m e , die allerdings nach u n s e r e r Ansicht wieder
v o r z u b e r e i t e n wären durch Fachverbände, die der P r a x i s noch näher stehen,
und endlich Entlastung des Staates, die dringend notwendig ist von Kontrollen über Maßnahmen und über Bestimmungen des W a r e n v e r k e h r s im einzelnen.
Das Schiedsgerichtswesen ist ein wesentlicher Punkt, wo die K a m m e r n produktiv sein m ü s s e n . Aber wir möchten sie keineswegs auf einem
Wege sehen, der zur Kartellierung führen könnte. Da würden wir den F i n ger sehr ernsthaft erheben. Genau wie eine K a m m e r sich unterscheiden
soll von dem, was der Staat tut, soll sie auch b e s t i m m t nicht in den F e h l e r
verfallen, in dem die Privatwirtschaft früher verfallen ist. Auch h i e r wünschen wir durchaus eine Mitwirkung des Staates, einen neutralen V o r s i t z e n den etwa, um keine reine Schnüffelei zu begünstigen.
Im Lehrlingswesen Verantwortung der K a m m e r für Aufstellung
von Richtlinien der Lehrlingsbildung und Prüfung, aber einen staatlichen
Vorsitzenden in einer Prüfungskommission! Hier m ü s s e n sich K a m m e r
und staatliche Tätigkeit ergänzen. Ebenso scharf muß die Tätigkeit der
K a m m e r geschieden werden von Dingen, die eine Unternehmung allein zu
tun hat. Wenn es im Entwurf des M a g i s t r a t s heißt - vielleicht ist der A u s druck nicht ganz geglückt -: die K a m m e r solle Exportgeschäfte o r g a n i s i e r e n , so habe ich beim Lesen d i e s e r Worte einen leichten Schauder auf
die Haut bekommen. Stellen Sie sich darunter einen Kollektivexport unter
Führung der K a m m e r v o r ? Das wollen wir doch hoffentlich nicht erleben.
Sie soll b e s t i m m t keine Geschäfte machen. Sie soll einen E x p o r t m a r k t
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.