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Periodical volume Nr. 47, 13. November 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Bekenntnisschule, und Sie können es glauben, daß wir bei a l l e r Sympathie für Bekenntnisschulen u n s e r e Kinder doch in eine solche Bekenntnisschule nicht schicken können.
Sie sagten eben, wir t r e t e n mit einem Monopolanspruch auf. Das
i s t der Vorwurf, den Sie uns i m m e r zu Unrecht machen. Nein, wir b e haupten: J e d e m die Schule, die seinem Gewissen und seinem Willen entspricht. Ich glaube nicht, daß eine Schule, die eine Zwangsorganisation
ist, eine Einheit schafft. Die Einheit beruht auf der Toleranz und auf der
gegenseitigen Achtung, auf der Achtung vor der Überzeugung, auch wenn
sie a n d e r s g e a r t e t ist.
(Zurufe.)
Ich v e r w e i s e Sie übrigens auf die Zitate, die im vorigen J a h r h u n d e r t von der Reichstagstribüne h e r a b v o r g e b r a c h t wurden. Da waren
Ihre geistigen Ahnen erquickend offen. Bebel hat 1881 e r k l ä r t : "Der
s t ä r k s t e Strick, mit dem die Schule nicht nur an die Religion im a l l gemeinen, " - das ist sehr wesentlich - "sondern an4ie Kirche im b e sonderen gekettet ist, könnte r a d i k a l durchschnitten werden, wenn die
Religion aus dem Lehrplan entfernt würde. "
(Sehr wahr!)
E s i s t diese Schule, und zwar auf Grund der Stellung, die der Religionsu n t e r r i c h t einnimmt, die Erfüllung des S ä k u l a r i s i e r u n g s p r o z e s s e s , und
sie bedeutet nicht nur Trennung von Kirche und Staat - darüber ließe sich
diskutieren -, sondern es bedeutet Trennung von Religion und Erziehung,
und dies ist eine Trennung, die wir einfach vom Gewissen aus nicht m i t mächen können - b e d a u e r l i c h e r w e i s e .
(Heiterkeit.)
- Ich möchte sagen, im I n t e r e s s e der Verständigung, das wir haben. Aber wir sind einfach tatsächlich sachlich daran gehindert. Was könnten
Sie. denn für uns für einen Respekt haben, wenn wir das Beste und Wesentlichste p r e i s g e b e n ? Was wären wir für Leute, wenn wir n e u t r a l w ä r e n in
einer solchen Schule? Man hat eine Überzeugung und bekennt sie, oder
m a n hat keine Überzeugung. Dann ist man auch nichts wert.
E s i s t hier i m m e r wieder das Wort vom Kulturkampf gefallen, und
zwar wurde d i e s e r Kulturkampf a l s ein ganz bedrohliches Gespenst hier
von allen - das sage ich i m besten Glauben - mit voller Überzeugung zurückgewiesen worden. Aber wir wollen uns auch über die Begriffe k l a r
werden. Was tun wir h i e r ? Wir kämpfen um ein sittliches Recht, d . h .
wir kämpfen darum, daß wir eine Weltanschauung, die uns im Gewissen
verpflichtet, so entfalten und entwickeln können, wie wir es wünschen,
d.'h. wir kämpfen um ein hohes Kulturgut. Wenn d i e s e s Gesetz mit der
        
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