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Periodical volume Nr. 11, 21. Januar 1947, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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darin eine Maßnahme sah, die geeignet war, angesichts des k a t a s t r o p h a len Z u s a m m e n b r u c h s einem drohenden Run auf die S p a r k a s s e n und Banken
vorzubeugen.
Aber d i e s e r Zustand i s t bis heute nicht geändert worden, und diese T a t s a c h e hat ungeheuer schwere Folgen nach sich gezogen. Es kann
nicht b e s t r i t t e n werden, daß Zehntausende, ja, Hunderttausende u n s e r e r
B e r l i n e r Mitbürger heute die Wohlfahrtspflege der Stadtverwaltung in Anspruch nehmen m ü s s e n , obwohl sie über Sparbücher und Guthaben bei
Banken, auch über Sparbücher, die auf den Namen der Stadt B e r l i n lauten, der S p a r k a s s e der Stadt Berlin, verfügen. E s ist unbegreiflich, daß
h i e r ein Kreislauf in dem Sinne gefördert wird, daß die Stadt den A n t r a g stellenden Unterstützungen aus djer Wohlfahrtspflege zuteil werden läßt,
obwohl die Unterstützungsempfänger selbst i h r e r s e i t s Rechtsansprüche
an die Stadtverwaltung auf Grund i h r e r Sparguthaben zu stellen haben.
Denn ich möchte h i e r betonen - damit komme ich b e r e i t s in das
zivilrechtliche Gebiet mit der F r a g e hinein -, daß für die S p a r k a s s e der
Stadt B e r l i n in der Satzung ausdrücklich festgelegt ist, daß für die V e r bindlichkeiten der städtischen S p a r k a s s e die Stadt B e r l i n mit i h r e m G e s a m t v e r m ö g e n haftet. E s ist notwendig, von d i e s e r Tribüne der Demok r a t i e aus einmal auszusprechen, daß an d i e s e m Rechtszustand sich nach
u n s e r e r Auffassung nichtsgeändert hat,.
(sehr richtig!)
daß nach wie vor die Stadt B e r l i n für die Ansprüche haftet, die an die
S p a r k a s s e der Stadt B e r l i n gestellt werden können.
(Sehr richtig!)
Darum möchten -wir auch bitten, daß der Magistrat einmal offiziell eine
solche E r k l ä r u n g zur Beruhigung der Öffentlichkeit abgibt. Denn wir b e finden uns hinsichtlich des Spargedankens in einer sehr schweren V e r t r a u e n s k r i s e . Wir können a b e r , wenn u n s e r e deutsche Wirtschaft leben
soll, auch in Zukunft auf Sparkapital nicht verzichten. Wir m ü s s e n deswegen
a l l e s tun, u m den Spargedanken wieder zu fördern. Daß er heute nicht
vorhanden ist, wird ja jeden Tag deutlich erkennbar, wenn man liest, wie
bei Raubüberfällen große Geldmittel den Bestohlenen abgenommen werden,
wie bei Wohnungseinbrüchen Hunderttausende von Mark erbeutet werden
und dergl. m e h r , a l l e s Gelder, die nicht auf einer Bank oder einer Spark a s s e liegen , weil m a n kein V e r t r a u e n m e h r zu diesen Instituten hat.
Wenn ich von der Notwendigkeit der Wiedererweckung des Spargedankens s p r e c h e , möchte ich auch ganz b e s o n d e r s u n t e r s t r e i c h e n , daß
wir Kapitalien brauchen für die Wiederherstellung von Wohnungen und den
Bau neuer H ä u s e r . Das Kapital für Neubauten wurde in der Regel aus Sparkapital genommen, und da wir in den nächsten J a h r e n das Wohnungsproblem zu einem großen Teil nur durch Neubauten lösen können, muß a l l e s
geschehen, u m den Sparwillen auch in der B e r l i n e r Bevölkerung wieder zu
        
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