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Periodical volume Nr. 40, 7. August 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Zone.
H e r r Winzer hat nun eine sehr e r n s t e F r a g e angeschnitten, n ä m lich die F r a g e einer Planwirtschaft in Berlin. Das i s t die höchst u n e r f r e u liche F r a g e des Schwarzhandels an Rohstoffen in Berlin. Diese Dinge sind
m i r bekannt. Sie können sich lebhaft vorstellen, daß niemand t r a u r i g e r
sein kann a l s ich, wenn ich h ö r e , daß so etwas p a s s i e r t . 27 t W o l f r a m e r ze, 27 00 kg Industrieplatin, 50 t Kupfer in einem F a l l , 200 t Kupfer in
einem a n d e r e n F a l l , 50 t Lötzinn in einen dritten F a l l sind nicht zu e r f a s s e n und werden verschoben. Das sind Dinge, die ich weiß. Warum i s t das
so? - Sehen Sie, Sie haben schon sehr lange in B e r l i n r e g i e r t , vor uns
und vor m i r . Eine Warenverkehrsordnung, eine Bewirtschaftungsverordnung war schon sehr lange vor m i r notwendig. Ich weiß, d e r alte M a g i s t r a t
hat auch eine eingereicht, aber sie ist von d e r A l l i i e r t e n Kommandantur
abgelehnt worden. Nichts i s t so notwendig wie eine Warenverkehrsordnung.
Ohne Warenverkehrsordnung kann nirgends zugegriffen werden. Was wir
i m gegenwärtigen Status können, ist, daß wir, wenn die Dinge auf d e r
Grundlage neuzugeteilter Kontingente neu p r o d u z i e r t sind, zugreifen k ö n nen. Mehr nicht. Wir haben uns natürlich bemüht und greifen nach allen
Seiten zu. Aber schon heute s c h e i t e r t d a s . Bei den 27 t Wolframerzen
und den 2 700 kg Industrieplatin, die wir nicht bekommen konnten, s c h e i t e r t e es daran, daß die Leute nicht für eine Nacht e i n g e s p e r r t werden konnten, weil alle Gefängnisse zu waren, die Bezirksgefängnisse und die in
den R e v i e r e n ebenfalls. E s bestand keine Möglichkeit, sofort zuzugreifen.
Wenn ein Verfahren i m Gange ist, sind die Dinge zwar beschlagnahmt,
a b e r der M a g i s t r a t kann nicht zugreifen, weil keine W a r e n v e r k e h r s o r d nung da ist, weil keine Rechtsgrundlage vorhanden ist. Wie sind a b e r d i e s e
Rechtsgrundlagen beschaffen? Wie i s t das Sozialisierungsgesetz h e r a u s gebracht und die Ausführungsbestimmungen dazu? Wie i s t das W i r t s c h a f t s k a m m e r g e s e t z gemacht und das Durchführungsgesetz dazu und eine Menge
a*hderer Dinge g e s e t z g e b e r i s c h e r A r t ? Nun, ich bringe in den nächsten T a gen i m Magistrat eine W a r e n v e r k e h r s Ordnung h e r a u s , die sich in dem Sinne gewaschen haben wird, daß nämlich weder beim G e n e r a l s t a a t s a n w a l t
noch beim Polizeipräsidenten Dinge p a s s i e r e n können, denen m a n früher
und auch nach den Warenverkehrsordnungen, die i m Westen gelten, b i s h e r
nicht bekommen konnte. Ich frage mich a b e r , ob ich die Zustimmung d e r
A l l i i e r t e n bekommen werde. An m i r liegt es a l s o nicht.
I m m e r h i n w ä r e es ganz i n t e r e s s a n t gewesen, H e r r Winzer, wenn
Sie I h r e r s e i t s gesagt haben würden, daß diese Dinge schon früher s e h r
notwendig gewesen sind, wenn Sie I h r e r s e i t s gesagt haben würden, daß
Vorschläge zu einer Warenverkehrsordnung schon gemacht worden sind,
daß sie a b e r abgelehnt worden sind.
(Zuruf von der SED: Das hat er ja gesagt!)
        
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