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Periodical volume Nr. 22, 27. März 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Nun die Hinderungsgründe! Es wird kein Mensch so naiv und i r r e a l
denken, sich auf den Standpunkt zu stellen: wir wollen nun einmal die a b solute Menge wiederhaben, die damals in P r o z e n t e n des g e s a m t e n B e r l i n e r
V e r b r a u c h s aus der Zone s t a m m t e . Darum geht es ja auch nicht. E s geht
doch nur u m die F r a g e , ob wir nicht selbstgeschaffene, von deutschen B e hörden geschaffene Hindernisse haben, das, was an sich kommen könnte,
aus der Zone auf den B e r l i n e r Markt zu bringen. Solche H i n d e r n i s s e
scheint es in allerhand hemmenden Anordnungen von Zonenbehörden zu
geben, und man muß doch einmal wirklich fragen, ob es nicht eine der
großen Chancen einer echten Bodenreform, eines Ansiedeins von Kleinb a u e r n ist, die Intensivierung der Bodennutzung allmählich herbeizuführ e n und diesen Kleinbauern auch den Zugang zu g r ö ß e r e n V e r b r a u c h s m ä r k tfe» zu,öffnen, von denen der Bauer seit Menschengedenken schließlich die
naturgegebene Ergänzung seines B e t r i e b s und seiner Haushaltsführung e r halten hat. Da liegen doch nach m e i n e r Meinung sehr viele trennende Anordnungen auch wohl in den Maßnahmen der P r o v i n z i a l r e g i e r u n g B r a n d e n burgs vor. Wenn sich hier und da in die Kritik, die in B e r l i n zu diesen
Dingen laut geworden ist, so etwas wie l e i s e Erbitterung und Ä r g e r m i s c h t ,
so i s t das nicht ganz unverständlich; denn es i s t doch richtig, daß die Stadt
B e r l i n zur Leistungsfähigkeit der umgebenden landwirtschaftlichen, b ä u e r lichen Bevölkerung außerordentlich viel beigetragen hat, daß B e r l i n an e i gener Leistung sehr viel investiert hat, einmal durch die Lieferung von
Produktionsmitteln, dann a b e r auch durch die Nachfrage nach qualitativ
hochstehenden Artikeln, durch die Nachfrage nach s t a n d a r d i s i e r t e n landwirtschaftlichen E r z e u g n i s s e n , die die wachsende Kaufkraft der B e r l i n e r
Ihdustriebevölkerung, des B e r l i n e r Handels, der Konsumvereine s e l b s t v e r s t ä n d l i c h daneben der großen Filialen der W a r e n h ä u s e r , der großen
Fachgeschäfte und Großhandlungen allmählich den Bauern, den LandwirtSchaftskammern hat zuteil werden l a s s e n . Das waren starke Stützen für
die Leistungsfähigkeit der b ü r g e r l i c h e n Bevölkerung. Wir möchten jetzt
allmählich wieder erleben, daß das etwas z u r ü c k s t r ö m t , soweit das m e n genmäßig zu ermöglichen ist, soweit nicht Anordnungen der B e s a t z u n g s behörden im Wege stehen, daß es a b e r auch auf den B e r l i n e r Markt w i e der z u r ü c k s t r ö m t .
Wir haben in u n s e r e m Antrag nichts a n d e r e s verlangt als das, was
H e r r Winzer selber eigentlich für das Richtige e r k l ä r t e . In dem Schlußsatz u n s e r e s A n t r a g e s wird zum Ausdruck gebracht, daß der M a g i s t r a t
beauftragt werden soll, mit der Regierung des Landes Brandenburg in V e r handlungen zu t r e t e n , und zwar mit dem Ziel, diese 20 Pfund für jede P e r son zu e r r e i c h e n . Also Verhandlungen haben wir verlangt. Wenn H e r r
Winzer meinte, von solchen V e r b e s s e r u n g e n könnten nur die Leute Vorteil haben, die nicht arbeiteten, die anderen, die arbeiteten, hätten ja
keine Zeit, in die landwirtschaftlichen Anbaugebiete zum Einkauf d i e s e r
20 Pfund zu fahren, so ist das m. E. wirklich eine Verkennung der L e b e n s gewohnheiten außerordentlich v i e l e r a r b e i t s t ä t i g e r B e r l i n e r .
(Zustimmung bei der CDU.)
        
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