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Periodical volume Nr. 11, 21. Januar 1947, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Reuter zweifellos einer der besten F a c h m ä n n e r ist, der die Geschicke
der Stadtverwaltung B e r l i n leiten könne.
(Stadtv. F e c h n e r : Das habe ich ja vorhin hier sogar gesagt!)
Dann bedauere ich, daß ich das nicht gehört habe. Ich stelle nur fest,
daß das in dem Artikel stand.
Ich stelle fest, daß tatsächlich nicht nur bis 5 Minuten vor vier,
sondern bis 5 Minuten nach vier der Vorsitzende der SED G r o ß - B e r l i n s
mit uns verhandelte und den Versuch machte, doch durch gewisse Kompensationsgeschäfte
(hört! hört!)
die SPD dazu zu bekommen, daß man einheitlich Stadtrat Reuter zurnO b e r b ü r g e r m e i s t e r wählen könnte.
(Lebhafte Hört! Hört!-Rufe bei der CDU. - Unruhe. Glocke des V o r s t e h e r s . )
Wir können das sehr genau in der S E D - P r e s s e nachlesen, daß F r a n z Neumann der Schuldige dafür ist, daß Stadtrat Reuter nicht einstimmig hier
in d i e s e m Hause zum O b e r b ü r g e r m e i s t e r gewählt wurde, weil F r a n z Neumann keine schriftlichen Bindungen mit der SED eingegangen ist.
(Erneute Hört! Hört!-Rufe bei der CDU.)
Ich möchte dazu e r k l ä r e n , daß die Sozialdemokratische P a r t e i vor
der Wahl a m 20. Oktober in Berlin die bindende E r k l ä r u n g abgegeben hat,
daß sie frei und ohne jede Bindung mit einer P a r t e i oder mit einer B e satzungsmacht i h r e Aufgaben in B e r l i n durchzuführen gedenkt, und von
d i e s e r festen Absicht wird die Sozialdemokratische P a r t e i in Berlin auch
für die Zukunft nicht abgehen.
(Lebhafter Beifall bei der SPD.)
Was die Versprechungen im Wahlkampf betrifft, so können Sie den "Soziald e m o k r a t " vom 10. Oktober 1946-nachlesen. Wir haben in diesem "Soziald e m o k r a t " geschrieben, daß wir es für notwendig halten, daß die Minimalforderungen, die für die zivilisierte Welt einfach da sein m ü s s e n , erfüllt
werden. Wir haben e r k l ä r t , auch in B e r l i n muß ernsthaft daran gegangen
werden, daß man endlich zum m i t t l e r e n europäischen L e b e n s s t a n d a r d kommt,
und wir haben e r k l ä r t , daß wir es für diesen m i t t l e r e n europäischen L e b e n s standard für notwendig halten, daß zum mindesten 2 500 Kalorien gegeben
werden, daß wir es für unbedingt erforderlich halten, daß alle Anstrengungen gemacht werden, daß 18 Zentner Kohlen, daß Textilien und Schuhe
gegeben werden. Das haben wir im Wahlkampf als eine Mindestforderung
aufgestellt, und wir haben dann am Schluß e r k l ä r t : diese F o r d e r u n g e n
sind nicht das, was wir können, sondern diese F o r d e r u n g e n sind ein Minim a l p r o g r a m m von dem, was wir wollen. Ich glaube, es würde wirklich an
der Zeit sein, Kollege F e c h n e r , daß hier nicht nur t h e o r e t i s c h von der
        
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