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Periodical volume Nr. 11, 21. Januar 1947, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Geltung k o m m e n sollen, d e m -Wirtschaftspolitischen • Ausschuß zu ü b e r w e i s e n , u n d z w a r m i t d e r M a ß g a b e , d a ß die. H a n d w e r k s k a m m e r f r a g e u n d d i e
Innungsfrage schnellstens einer Lösung entgegengeführt werden
müssen,
damit das Handwerk seine Aufgaben in Berlin erledigen kann.
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(Beifall bei der LDP.)

r.

'-'"' Stadtv. SCHÖPKE (LDP): Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Ich möchte in Ergänzung zu den Ausführungen meines Parteifreundes Markewitz zu dem Antrage Nr. 19 über die Bildung einer Wirtschaftskammer und zu den theoretisch schönen Worten des Herrn Stadtrats
Klingelhöfer einiges sagen. Ich bin der Auffassung, daß die Darstellung des
Herrn Klingelhöfer sicherlich in jeder Beziehung liebenswert war, daß man
aber doch an wirtschaftliche
Fragen mehr mit der praktischen Vernunft
als mit Theorien und gewissen Dingen, die man beinahe Mythenbildung bezeichnen könnte, herangehen soll. Als eine solche Mythenbildung betrachte
ich die Auffassung von den "finsteren Mächten", die hinter den Unternehmerverbänden stehen sollen. Es ist mir vollkommen klar, daß zweifelsohne
während der letzten 13, 14, 15 Jahre die Unternehmerverbände vielfach eine
gefährliche Rolle gespielt haben bezw. daß vielleicht einzelne Persönlichkeiten eine solche gefährliche Rolle spielten.
(Zuruf von der SED: Vielleicht hat sich inzwischen
herumgesprochen, wer die Herren waren!)
- Jawohl, und vielleicht hat es sich auch bis zu mir herumgesprochen. Aber
ich möchte doch sagen, daß Sie das letztenEndes bei sämtlichen Organisationen
feststellen können. Wir haben auch einmal eine Deutsche Arbeitsfront gehabt,
in der Millionen deutscher Arbeiter und Angestellte
zwangsweise organisiert
waren. Man müßte dann also heute ebenso sagend unter keinen Umständen
darf eine Arbeitnehmerorganisation existieren, weil einmal eine solche Arbeitnehmerorganisation
. mißbraucht worden ist. Ich sehe hier keinen
großen Unterschied.
(Lachen und Zurufe bei der SED.)
- Das hören Sie sehr ungern; trotzdem ist es so. Es hat doch keinen Zweck,
zu schreien, sondern wir müssen die Dinge so sehen, wie sie sind. Damit
wird gar nichts verteidigt, was nicht verteidigt werden sollte. Wir sind der Auffassung, daß aus allen Organisationen letzten,Endes
die "faschistischen Elemente zu verschwinden haben, aus den Organisationen
der Arbeitgeber bezw. der Unternehmer genau so wie aus den Organisationen der
Arbeitnehmer; aber Sie können doch nicht das Wagnis auf sich nehmen, von
Demokratie zu reden, wenn Sie eine Personengruppe, die bisher wenigstens
gesetzlich noch nicht als verbrecherisch bezeichnet worden ist, aus der Koalitionsfreiheit ausschalten. Entweder sind die Unternehmer von Natur aus
verbrecherische Elemente - dann sind sie selbstverständlich aus der menschlichen Gesellschaft auszuscheiden -', oder Sie können sich nicht dazu entscheiden, die Unternehmer als verbrecherische Elemente zu bezeichnen, dann muß
ihnen das Koalitionsf echt zügestandBn werden, auch wenn es Ihnen unangenehm
ist. Denn es entscheidet in der Demokratie nicht das, was einem angenehm
        
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