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Periodical volume Nr. 37, 11. Juli 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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- Sie haben uns ja die Möglichkeit nicht gegeben. Sie haben ja mit I h r e r
Mehrheit das n i e d e r g e s t i m m t , was zum Wohle der Bevölkerung gewesen
ist.
•

(Zurufe: Unerhört!)

*

Ganz b e s o n d e r s auch Sie, H e r r Landsberg.
(Erneute Zurufe. )
Wir wenden uns aber ganz entschieden gegen die Methoden, mit
denen der Kampf um die Selbstverwaltung von einigen P a r t e i e n auf Kosten
der praktischen Arbeit für die Bevölkerung geführt wird.
(Stadtv. Landsberg: Von einer" P a r t e i , von I h r e r P a r t e i ! )
Wir haben in Berlin eine Vorläufige Verfassung, die im Vergleich zu einer
reinen Militärregierung zweifellos als ein F o r t s c h r i t t zu werten ist. Daß
der A r t i k e l 36 die uns übergebene Selbstverwaltung in wesentlichen Punkten
einschränkt, bedauern wir sehr, aber wir tragen den gegebenen Verhältnissen nach einem v e r l o r e n e n Kriege Rechnung. Wir haben durch unsere praktische Mitarbeit hinreichend bewiesen, daß wir gewillt sind, trotz a l l e r
Einschränkungen das Beste aus der Verfassung zum Wohle der Bevölkerung
herauszuholen. Ich halte es für einen grundlegenden I r r t u m , H e r r Landsberg, das Begleitschreiben der Kommandantur a l s einen Bestandteil der
Verfassung aufzufassen. Aus d i e s e r i r r i g e n Auffassung h e r a u s haben sich
in dem V e r f a s s u n g s s t r e i t wesentliche Fehlerquellen ergeben, und wir sind
deshalb auch keinen Schritt mit u n s e r e r Arbeit weitergekommen. Ich bin
auch nicht der Auffassung, daß man etwa durch Obstruktion oder sogar durch
Auszug aus dem Stadthaus der demokratischen Selbstverwaltung einen guten
Dienst erweist. Aber einen anderen Weg hätten wir schon längst beschreiten
m ü s s e n . Den Stadtverordneten ist von der Kommandantur die Aufgabe übert r a g e n worden, daß bis zum 1. Mai 1948 die Vorläufige Verfassung durch
eine ständige Verfassung zu e r s e t z e n ist. F a s t ein Jahr ist seitdem vergangen. Unser v e r e h r t e r H e r r Stadtverordnetenvorsteher ist der Vorsitzende
d i e s e s V e r f a s s u n g s a u s s c h u s s e s . Die SED hat häufig verlangt, daß endlich
eine eigene Verfassung für Berlin ausgearbeitet werden soll.
(Zuruf: Wird sie ja!)
Wir haben u n s e r e eigenen Erfahrungen genug, um mit eigenen Kräften eine
Verfassung zu schaffen, die auch auf u n s e r e n eigenen Leib paßt. In dieser
Verfassung können und m ü s s e n wir das Selbstverwaltungsrecht für Berlin
voll und uneingeschränkt entwickeln, und nur in diesem Zusammenhang b e kommt der Satz aus dem Begleitschreiben der Kommandantur seinen Sinn,
in dem die Überzeugung ausgedrückt wird, daß die demokratische Entwicklung nicht m e h r abbrechen werde. Um diese Verfassung, die wir uns selbst
schaffen wollen, wird die SED mit allen politischen Mitteln kämpfen. Im
Kampf um diese ständige Verfassung werden wir in f a i r e r und offener Weise
mit den Besatzungsmächten um die Abgrenzung u n s e r e s Rechtes gegenüber
dem Recht der Siegermächte ringen. Wir sind aber nicht gewillt, einer
        
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