Path:
Periodical volume Nr. 11, 21. Januar 1947, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

20

11

werden augenblicklich die Fragen der Wirtschaftsorganisation neu behandelt. Wir sollten bei diesen Dingen niemals den Blick auf die Einheit verlieren und sollten niemals Dinge tun, die nachher, wenn ein einheitliches
Wirtschaftsgebiet uns alle als Deutsche umfaßt, irgendeine Beschneidung,
eine koordinierende, umständliche und sorgenvolle Maßnahme notwendig
machen. Wir wollen die Dinge so in die Wege leiten, daß wir nachher mit
den anderen auch auf dem Gebiete der Wirtschaft zusammengehen. Wir haben für die Innungen und die Handwerkskammern die Grundlage; die Baustoffe sind vorhanden. Wir brauchen die Innungen und Handwerkskammern
nur zu errichten und sollten nicht warten, bis wir mit der Dachkonstruktion
fertig sind, bis wir über die Art der Dachkonstruktion einig geworden
sind. Darüber können nachher Beschlüsse gefaßt werden. Im Augenblick ist
es möglich, schnellstens das Innungswesen zu regeln und Handwerkskammern
zu bilden. Wir selbst wollen nicht, wie der Kollege von der SPD ausführte, die
Vertretung der Gewerkschaften in den Innungen und in den Handwerkskammern
haben - das darf ich offen aussprechen -, sondern wir wollen den arbeitenden
Menschen, mit dem wir im Betrieb zusammenarbeiten, den arbeitenden Menschen aus der Praxis und nicht den Funktionär aus der Theorie.
(Sehr gut! bei der LDP.)
Wir wollen mit den Menschen zusammenarbeiten, mit denen wir irn
verbunden sind.

Betrieb

Ich komme nun noch kurz auf die Frage der Wirtschaftskammer. Wenn
die Vorlage über Innungen und Handwerkskammern von der Selbstverwaltung
ausgeht, dann müssen wir feststellen, daß die Vorlage über die Wirtschaftskammer nicht nur mit Selbstverwaltung nichts zu tun hat, sondern auch hinsichtlich der Auffassung von Demokratie von unserem Standpunkt stark abweicht.
Was ist das für eine merkwürdige Angst der Demokratie, in dein Gesetz über die
Wirtschaftskammer von vornherein festzulegen, daß ein bestimmter Tei
deutschen Wirtschaft ein Koalitionsverbot bekommt!
. . . .
¥•
(Sehr wahr bei der LDP. )

-,'

-• -

Diejenigen Menschen, die in der Wirtschaft arbeiten, haben das Recht auf
Koalition, die Arbeitnehmer ebenso wie die Arbeitgeber. Das ist ein demokratisches Anrecht. Im übrigen ist ja sogar bereits in der Direktive Nr. 26 des .
Kontrollrats vom Januar 1946 von Arbeitgeberverbänden gesprochen worden.
Wenn man heute den Gewerkschaften, den Arbeitnehmern das Koalitionsrecht
zugesteht, dann stehen wir auf dem Standpunkt, daß selbstverständlich diesen
Gewerkschaften ein Partner zur Lösung der sozialen und lohnpolitischen Aufgaben gegenübergestellt werden muß. Dieser Partner kann nur eine entsprechende Arbeitgebervertretung sein, ein Fachverband, der sich mit diesen Dingen befaßt. Wir bitten daher, die Anträge, die hier gestellt sind und die wie
unser Antrag davon ausgehen, daß man die Selbstverwaltung auf der natürlichen Zuständigkeit der schaffenden Kräfte im Leben und in der Wirtschaft
aufbauen muß, daß man sie nicht, wie es in der Vorlage der SED geschieht,,
auf der Grundlage der Omnipotenz des Staates aufbauen soll, weil nach unserer Überzeugung auch in der Wirtschaft die Grundrechte der Menschen zur
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.